© Kurier/Franz Gruber

Gastkommentar
10/12/2020

Plädoyer für das Unkonventionelle

Gegen den Nebel von Allgemeinplätzen in der Politik

Manche von ihnen begegnen uns (fast) täglich: Mit Soundbites in den TV-Nachrichten, als Studiogäste in Diskussionsrunden, bei Interviews: Frauen und Männer in politischen Funktionen, die uns erklären, wie sie unser Leben besser machen. Sie sprechen in jedem zweiten Satz von den „geschätzten Österreicherinnen und Österreichern“, sie bedanken sich beim Interviewer für die Einladung ins Fernsehstudio. Sie reden von „Maßnahmen, die wir setzen“, von „Rahmenbedingungen, die wir verbessern“, und von „Herausforderungen, die wir bewältigen“.

Dem Zuschauer bleibt oft weniger der Inhalt der Aussagen in Erinnerung als das freundliche oder grantige Mienenspiel, die eingeübte Gestik oder das modische Accessoire.

Zu oft verbergen sich politische Notwendigkeiten hinter einem Nebel von Floskeln, Allgemeinplätzen und Beschönigungen, um am Ende nicht das sagen zu müssen, was Sache ist: Unsere Arbeitsplätze sind nicht auf Dauer gesichert, unsere Verwaltung ist zu kompliziert und langsam, Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif und vieles mehr.

Aber was macht glaubwürdig, was erweckt Vertrauen, was ist interessant? Und was ist eine gute Erzählung, die das politische Anliegen menschennah, konkret und fühlbar macht? Am Beginn nachhaltiger Kommunikation stehen die eigene Überzeugung und spürbare Leidenschaft für das, was man vertritt. Nur wer das Feuer spürt, kann sich erwärmen. Nur wer mit Emotion und Vernunft angesprochen wird, ist bereit, zuzuhören.

Die zumutbare Wahrheit ist immer besser als die wohltönende Ausrede. Betroffene wollen wissen, woran sie sind. Das Bild von Politikern und Politikerinnen formt sich durch klare Standpunkte mit Botschaften, die sie unterscheidbar machen vom Mainstream und durch eine konsequente Haltung gegenüber Kritikern. Und durch gute Vorbereitung bei Reden und Medienauftritten, denn Performance ist auch ein Handwerk, das man lernen muss. Dann ist man authentisch, ohne gecoacht zu wirken. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass die eigene Sprache und Haltung von anderen formuliert wird, der Politiksprech mündet zu oft in formelhafte Floskeln. Schade, dass nur wenige nicht Everybody’s Darling sein wollen, sondern eigenständig und eigenwillig.

Was wären die Erwartungen? Weniger die Mühen der Ebene im Gesichtsausdruck als freudvoll überzeugtes Kämpfen für den eigenen Standpunkt. Statt Routine Ideen und Überraschungen, über die am nächsten Tag vielleicht am Stammtisch diskutiert wird. Wer es schafft, ein Profil mit Ecken und Kanten zu entwickeln, hält sich meist länger als eine Legislaturperiode. Die anderen machen vermutlich in anderen Branchen bessere Karrieren.

Heidi Glück ist erfolgreiche PR- und Politikberaterin in Wien. Sie war Sprecherin und Beraterin von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

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