Kindesmisshandlung (gestellte Szene)

© APA/HELMUT FOHRINGER

über Gewalt gegen Kinder
11/24/2014

Nicht nur die Eltern sind das Problem!

von Michael Hüter

Gewalt hat für jedes Kind gravierende Folgen und ist zu unterlassen!

Mag. Michael Hüter | über Gewalt gegen Kinder

Wie die aktuelle alarmierende Studie des Familienministeriums zeigt, hat sich die Gewalt am Kind in Österreich nicht verbessert, sondern einfach nur in den Bereich der psychischen Gewalt verschoben und wieder zugenommen. Man kann einem Kind auch mit diskriminierenden Worten und „fragwürdigen Erziehungsmaßnahmen“ lebenslangen Schaden zufügen, wofür es hierzulande (noch) fast überhaupt kein Bewusstsein gibt. Dass in Österreich die Gewalt am Kind (in welcher Form auch immer) so „beliebt“ ist, hängt vor allem mit dem katastrophal ambivalenten und tolerierenden Verhältnis von offizieller Seit her (Politik, Behörden und „Persönlichkeiten“) zusammen.

Heimkinder

Von den 50er- bis Anfang der 80er-Jahre mussten Tausende Kinder in österreichischen Heimen massive physische und psychische Gewalt ertragen, primär von Erzieherinnen. Was über Jahrzehnte (!) bewusst von vielen Behörden systematisch vertuscht wurde. Bis heute gibt es von offizieller politischer Seite her keine angemessenen Worte des Bedauerns oder der Entschuldigung. Empfehlenswert dazu das Buch des KURIER-Journalisten Georg Hönigsberger mit Co-Autorin Irmtraud Karlsson – „Verwaltete Kindheit. Der österreichische Heimskandal“, Kral 2013. Die behördliche „Toleranz“ zur Gewalt am Kinde hat sich bis heute nicht geändert, sondern sich von den Heimen in den sogenannten „Obsorgebereich“ verschoben, wie das aktuelle Buch Krieg gegen Väter. Das Drama eines Scheidungskindes, Kral 2014, in eindringlicher Form aufzeigt. (Bitte nicht vom Titel abschrecken lassen).

Genderwahn

Im zitierten Artikel behauptet Hedwig Wölfl von der Liga für Kinder und Jugendgesundheit: Die „Erziehungsmaßnahme“ (Bestrafung) durch tagelanges Schweigen ist „vor allem für Mädchen schlimm und kann schwere psychische Schäden zur Folge haben.“ Geht jetzt der „Allmachts-Feminismus“ und das „Zwangs.Gendern“ in diesem Land schon so weit, dass bei Gewalt am Kind zwischen Bub und Mädchen unterschieden wird? Die Aussage von Frau Wölfl ist aus psychologischer, neurobiologischer und pädagogischer Sicht falsch und nicht nachvollziehbar. Gewalt hat für jedes Kind gleichermaßen gravierende Folgen und ist bitte vollständig zu unterlassen! Nicht primär die „überforderten Eltern“ sind das Problem, sondern der gesamtgesellschaftliche Druck auf Familien und der offizielle und behördliche Umgang mit Gewalt am Kind. Man beklagt periodisch die Gewalt am Kind, lässt aber gleichzeitig keine Gelegenheit aus, sie systematisch zu vertuschen, sie zu tolerieren oder sie zu relativieren. Scheinbar nach dem Motto: Kommt darauf an, wer sie ausführt und an wem sie ausgeführt wird. So kann und wird sich – leider – hierzulande niemals etwas ändern.