Meinung
08.01.2018

Nicht erfüllt

Wird die alleinstehende Frau insgeheim immer noch als frustrierte alte Jungfer abgestempelt?

Anna-Maria Bauer | Über die Frau, Ehe und Kinder

Ich habe „ Bridget Jones“ ja eigentlich nie für einen sehr realistischen Film gehalten. Aber dieses Weihnachten wurde ich an die Einstiegszene erinnert, bei der Onkel Geoffrey leicht angeheitert auf die Protagonistin zukommt und fragt: „Na, Bridget, was macht das Liebesleben? ... Immer noch kein Typ, was? ... Ihr Karrieremädchen, na, ich weiß nicht. Man kann’s halt nicht ewig verschieben. Tick-tack.“

Es waren nicht die exakt selben Worte, aber sinngemäß die gleiche Botschaft, die heuer bei einer Weihnachtsfeier an mich gerichtet wurde. Jetzt ist die Premiere dieses Films heuer 17 Jahre her, die Buchvorlage von Helen Fielding feiert sogar ihr 22-jähriges Jubiläum – aber an dem gesellschaftlichen Druck, als Frau den gebärenden Pflichten nachkommen zu müssen, hat sich trotz der vielen Debatten nicht viel geändert.

Nicht nur bei der älteren Generation übrigens. „Wahnsinn“, meinte eine Freundin erst vor wenigen Tagen, als bekannt wurde, dass ein früherer Freund ein Kind bekommen würde. „Hättet ihr gedacht, dass er als erster hat, was wir uns alle wünschen?“

Wirklich?

Sind Ehe und Kinder (am besten in der Reihenfolge) immer noch die einzig wahren Zutaten eines erfüllten Lebens?

Wird die alleinstehende Frau insgeheim immer noch als frustrierte alte Jungfer abgestempelt?

Bekommen Frauen, die sich dafür entscheiden (manche sogar bewusst – ja auch die soll es geben), weiterhin die Fragen serviert, wie es sein kann, dass man niemanden gefunden hat, oder ob man nicht vielleicht zu wählerisch ist. Weil ich gelernt habe, dass aufregen und/oder gegenargumentieren aber zu nichts führt (man erntet stets einen mitleidig zur Seite gelegten Kopf), lautet Neujahrsvorsatz Nummer zwei: Diese Kommentare mit Schweigen zu kommentieren und nicht mehr auf den Sanktus der Gesellschaft zu warten. Bleibt zu hoffen, dass ich konsequenter bin, als mit Vorsatz Nummer eins. Meine Absicht „Weniger Geld auszugeben“ hat genau zwei Tage gehalten.