Hoch lebe der inoffizielle Fleischlaberl-Tag!

Faschierte Laibchen
Es ist schon eine Kunst, in einem Land, in dem man in allen Lebensbereichen auf Unterdrückung stößt und bei jedem Widerstand mit Lebensgefahr rechnen muss, sich immer wieder neue Wege einfallen zu lassen, um stillen Protest zu zeigen.
Laila Docekal

Laila Docekal

Im Iran wurde Anfang Jänner der inoffizielle Fleischlaberl-Tag gefeiert. Das Mullah-Regime trauert da um einen ihrer brutalsten Kommandeure: Qasem Soleimani gehörte zur berüchtigten Revolutionsgarde und wurde 2020 unter Auftrag von Donald Trump bei einem Einsatz im Irak per Drohnenangriff getötet. Er wurde zu einem Fleischlaberl. (Der Anschlag auf Soleimani ist übrigens mit ein Grund, warum viele im Iran mit Trump sympathisieren.)

Während die Mullahs Soleimani zu Ehren seither also zum Todestag im ganzen Land Plakate von ihm aufhängen lassen – die dieser Tage übrigens fleißig mit Molotowcocktails niedergebrannt werden – kochen die Iraner Fleischlaberl.

Wie sehr sich das Regime daran stört, zeigt eine Verhaftung, vor der man dieser Tage nie sicher sein kann: Der Foodblogger Navab Ebrahimi veröffentlichte am Todestag Soleimanis ein Rezept für iranische Fleischlaberl, die dort übrigens Kotlet heißen. Das schmeckte den Mullahs nicht und sie haben ihn einkassiert.

Ich bemühe mich, das Rezept im Sinne meines kulinarisch orientierten Kolumnisten-Kollegen Christoph Schwarz wiederzugeben. Leider ist es nicht das Rezept von Ebrahimi, denn dieses wurde inzwischen gelöscht. Doch nachdem ohnehin jede Familie ihr eigenes Rezept hat, kommt hier meines: Man vermenge ein halbes Kilo (Rinder-)Faschiertes mit ca. 400 g gekochten, geschälten und gestampften Erdäpfeln, einem Ei, etwas Kurkuma, Salz und Pfeffer. Aus der Masse formt man ovale Laibchen, wälzt diese in Semmelbröseln und brät sie dann auf beiden Seiten in etwas Öl. Die persischen Kotlet werden mit eingelegtem Gemüse, Salat, Joghurt und Brot oder Reis gegessen.

Nushe Jan! (Guten Appetit auf Farsi)

laila.docekal@kurier.at

Kommentare