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Gastkommentar
09/29/2020

„Masken sind das Wirksamste“

Eine Replik auf die Aussagen von Martin Haditsch

Gegen die Aussagen von Martin Haditsch  habe ich fundamentale Einwände.

1. Masken Auch wenn er die Masken als „wabernde Fetzen“ bezeichnet: Sie sind effektiv, sie schützen und sie sind unser wirksamstes Instrument gegen die Infektionsübertragung. Unsere Chirurgen von Billroth über Böhler bis Sauerbruch: Waren das alles Idioten, die die Masken zur Aufhübschung getragen haben? Wäre es zu bevorzugen, dass der Chirurg, der die Bauchhöhle offen hat, einen Tschik im Mundwinkel hat statt einer Maske auf?

2. Infektophobie Was Haditsch als „Infektophobie“ vor Corona bezeichnet ist der Respekt vor der größten Epidemie des 21. Jahrhunderts mit derzeit 33 Millionen Infektionsfällen und einer Million Toten durch oder im Gefolge von Corona. Und wir stehen der Pandemie medizinisch mit leeren Händen gegenüber: Keine gute Therapie, keine Impfung. Wir müssen uns auf das reduzieren, was immer gegen derartige Ausbreitungen geholfen hat: Vermeidung der Übertragung, Auffinden der Infizierten und isolieren derselben.

3. Ad Spaß und Party Alles, was wir an Analysen vorliegen haben, legt klar, dass es genau diese Szenarien sind, die die Treiber der Ausbreitung sind. Daher stelle ich die Gegenfrage: Ist es zu verantworten, dass wir aus persönlichem Egoismus uns selbst und andere gefährden? Ist es wirklich nicht zumutbar, für einige Monate den Drang nach Feiern und Geselligkeit dem Ziel unterzuordnen, der Gesellschaft und uns allen weitere Erkrankungen und Todesfälle zu ersparen?

4. Gesundheit / Wirtschaft Unbestritten ist die Covid-19-Pandemie ein wirtschaftliches Desaster und die Ökonomie wird lange benötigen, um sich davon vollständig zu erholen. Aber: sie kann und wird das, die verstorbenen Patienten jedoch nicht mehr. Vom humanitären Standpunkt betrachtet ist damit für mich in Bezug auf die Prioritäten alles klar. Und man muss den derzeit entstehenden Schaden gegenrechnen mit jenem volkswirtschaftlichen Schaden, der entstanden wäre, hätte man von Anfang an die Pandemie unkontrolliert, bis zur (recht fraglichen) Herdenimmunität, ablaufen lassen. Das Imperial College London hat bei einem solchen unkontrollierten Ablauf eine Todesfallzahl um die 40,000.000 weltweit ohne Berücksichtigung der Kollateralschäden, die in einer Bevölkerung ohne funktionierende Gesundheitsversorgung entstünden, errechnet.

5. Gefährlichkeit Das neue Coronavirus ist um ein Vielfaches gefährlicher als SARS-1 und MERS: letztere sind viel schwerer übertragbar und daher viel leichter zu kontrollieren, auch wenn der Einzelfall gravierender ist. SARS-1 hat 2003 8.098 Krankheitsfälle hervorgerufen und 774 Menschen getötet, MERS im Zeitraum Mitte 2012 bis Februar 2020 (!) rund 2.500 Erkrankungen und etwa 870 Tote.

Herwig Kollaritsch ist Infektiologe und Mitglied im Beraterstab des Gesundheitsministeriums.

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