Leitartikel
07/04/2021

Märchenstunden: Die Fußball-EM und versteckte Probleme

Noch drei Spiele, dann steht der Fußball-Europameister fest. Ein Turnier, zu gut, um Kritik dahinter zu verstecken.

von Bernhard Hanisch

Am kommenden Sonntag wird das Monsterprogramm der EURO 2020 zu Ende gehen. Nach 51 Spielen steht er fest, der Fußball-Europameister. Ein Monat, der vollgepumpt war mit Freude, Wut, Angst, Entsetzen, Bangen und sogar einen Höhepunkt erreichte, an dem die Entscheidung zwischen Leben und Tod völlig aus dem Emotionsspektrum des sportspezifischen Unterhaltungsprogramms taumelte.

Der Däne Christian Eriksen lag auf einem Spielfeld und sein Herz stand still. Millionen von Zuschauern wurden daran erinnert, dass Fußball eben nicht alles ist. Eriksen überlebte und öffnete das Märchenbuch, in dem Geschichtenschreiber meist darauf bedacht sind, ein fröhlich-kitschiges Ende zu basteln. Also, die Dänen werden (wahrscheinlich) wieder einmal Europameister, ein Triumph der Außenseiter, der Leidgeprüften, der unumschränkten Sympathieträger.

Nein, der aufgeblasene Turniermodus hat die Befürchtungen nicht bestätigt, der Kräfteverschleiß würde nach einer langen, vom Coronavirus gepeinigten Saison dahinplätschernde, von jeder Spannung befreite und höchst einseitige Spiele auf dem Fließband produzieren. Revoltiert haben die „Kleinen“, gezittert haben einige „Große“, Österreicher haben hoch favorisierte Italiener in die Enge getrieben, Engländern ist es nebenbei endlich einmal gelungen, die Deutschen aus einem wichtigen Bewerb zu schubsen.

Ergebnisse haben sich auf wundersame Weise in letzter Minute verändert bis umgedreht, und es wurde so eifrig getroffen wie nie zuvor. 136 Tore in 48 Partien ergibt einen Schnitt von 2,83 pro Spiel – was will man mehr!

In sportlicher Hinsicht wird es nach dem Finale fast ausschließlich positive Rückblicke geben.

Alles in Ordnung?

Eigentlich nicht. Die Festspielstimmung wird vieles überdecken, der Europäische Fußballbund (UEFA) wird sie für seine eigene Erfolgsstory nützen. Oder wird man sich doch dazu durchringen, die umwelttechnisch fragwürdige Vielfliegerei während einer auf den ganzen Kontinent verteilten EM als einmaligen Irrtum einzugestehen? Oder wird der scheinheilige Grundsatz, die Politik aus dem Sport herauszuhalten, einer Neubewertung unterzogen? Weil die UEFA eben ihr eigenes finanzpolitisches Ziel verfolgt, wenn es darum geht, Corona-Regeln zu ignorieren, oder in einer schon lächerlichen Engstirnigkeit ein regenbogenfarbenes Symbol zu verbieten, nur weil es dem einen oder anderen Staatsmann nicht in den ewiggestrigen Kram passt.

Die Dänen werden (wahrscheinlich) Europameister, vergleichsweise unsicher erscheint hingegen die Prognose, dass die UEFA aus ihren Fehlern lernen will.

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