© Screenshot ORF

Meinung
11/25/2021

Licht ins Dunkel: Verstörendes Schaulaufen im TV

Kein Abstand, keine Maske – und kein wirklicher Grund, außer Haus zu gehen: Die Polit-Auftritte bei „Licht ins Dunkel“ waren beschämend.

von Christoph Schwarz

Seit 1973 schon ruft der ORF die Österreicherinnen und Österreicher alljährlich mit „Licht ins Dunkel“ zum kollektiven Spenden. Die Menschen beteiligen sich eifrig: Im von der Krise geprägten Vorjahr kam ein Rekordwert von 20,5 Millionen Euro zusammen. Eine berührende, schöne Weihnachtstradition – die dieses Jahr in ihrer Inszenierung aber skandalös aus der Zeit gefallen wirkte.

Inmitten des vierten Lockdown, den die Bundesregierung vor genau einer Woche unter großen Gesten des Bedauerns und der Entschuldigung verhängte, wurde da live im Staats-TV tatsächlich eine richtige Gala (!) gefeiert.

Und ausgerechnet jene, die Millionen geimpfter Österreicher zum Hausarrest verdonnerten, spazierten fast geschlossen – vom Bundespräsidenten über den türkisen Kanzler und den grünen Gesundheitsminister bis zur roten Oppositionsführerin – über den Red Carpet.

Munter wie eh und je wurden kameratauglich die Spendentelefone abgehoben und Interviews ohne Sicherheitsabstand geführt. Im „Ballroom“ des ORF, den man von „Dancing Stars“ kennt, saßen Promis und solche, die gerne welche wären, dicht an dicht. Masken? Fehlanzeige. Dass irgendwann die Finalisten der jüngsten „Starmania“-Staffel auftraten und einander (und einigen Tänzern) aus nächster Nähe ins Gesicht sangen, war da auch schon egal. Aerosole, was ist das?

Rechtlich einwandfrei

Rein rechtlich, war man bemüht zu betonen, sei das alles einwandfrei. Vor dem ORF-Zentrum am Küniglberg wurde eifrig kontrolliert und getestet und außerdem sei man ja beruflich da – und in diesem Fall gelte, wer weiß es nicht, ja nur 3-G. Das ist richtig. (Und wäre dem nicht so, wäre der Skandal ein noch größerer.)

Die Vorbildwirkung bleibt verheerend. Dass man sich für die gute Sache versammelt hat, ändert an der Beurteilung nichts: Das Virus macht sich wenig aus Karitativem. Alle Fachleute, die seit Tagen warnen, dass ein wirksamer Lockdown nicht am 13. Dezember enden könne, sondern länger und strenger eingehalten werden müsse, würden das gerne bestätigen. Wahrscheinlich waren sie aber nicht zur Gala geladen.

Es gibt Alternativen

Alternativen hätte es übrigens gegeben. Der ORF sollte in knapp zwei Jahren Pandemie gelernt haben, wie man eine würdevolle Veranstaltung ohne Publikum und mit zugeschalteten Gästen konzipiert.

Dass nicht nur im „Ballroom“, sondern auch auf den Straßen eher der Schlendrian als der Lockdown regiert, ist ärgerlich und selbstzerstörerisch. (Je lascher die Vorschriften befolgt werden, desto länger werden die Maßnahmen nötig sein.) Verwundern darf es angesichts der Signale, die das öffentliche Österreich sendet, aber niemanden.

Zeitgleich hat übrigens gestern im nächsten Bundesland – in Niederösterreich – die Intensivbettenauslastung der Spitäler die systemkritische Grenze überschritten.

Es wäre wieder mal Zeit für eine Entschuldigung.

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