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Endlich wieder bei der Fußball-WM: Ein Sommer wie damals

Die Aussicht auf eine WM mit österreichischer Teilnahme ist auch die Aussicht auf ein Miteinander in einer gespaltenen Gesellschaft.
Karoline Krause-Sandner
FUSSBALL - WM-QUALIFIKATION: ÖSTERREICH - BOSNIEN-HERZEGOWINA

Es gibt Fußballspiele, die schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Und es gibt jene, die ein kollektives Gefühl auslösen, das weit über diesen einen Abend hinausstrahlt.

Das Remis gegen Bosnien-Herzegowina am Dienstag im Ernst-Happel-Stadion gehört dazu. Dieses 1:1 sicherte Österreich erstmals seit 1998 wieder die Teilnahme an einer Fußball-WM. Soweit und so nüchtern der sportliche Aspekt. 

Zudem aber schafft es gesellschaftlich ein Gefühl des „Wir“ in einer Zeit, in der vieles zerklüftet scheint. Und ein Gefühl des Gewinnen-Dürfens.

Österreich hat lange ein ambivalentes Verhältnis zum Fußball gepflegt. Leidenschaft ja, aber immer begleitet von Skepsis. Wir haben das Verlieren gelernt: Wir wissen, dass es immer auch schief gehen kann. Die Erfahrung hat uns das gelehrt. Kommt das Team wirklich durch? Verliert es wieder im entscheidenden Moment? Formschwankungen und enttäuschende Turniere prägen die Erinnerung.

Doch am Dienstag war es anders.

Die vielbesungene „goldene Generation“ rund um David Alaba und Marko Arnautovic löst jetzt ihr langjähriges Versprechen ein. Spieler, die seit Jahren für Talent, Qualität und Hoffnung stehen, zeigen nun: Österreich kann bestehen – und sich selbst belohnen.

Michael Gregoritschs Ausgleich war nicht nur ein Tor. Es wird wohl in Erinnerung bleiben wie Herbert Prohaskas „Spitz von Izmir“, der die WM-Teilnahme ’78 sicherte, Toni Polsters Triplepack gegen die DDR für die Teilnahme an Italia ’90 und Andi Herzogs Weitschuss gegen Schweden, der zur bisher letzten WM-Teilnahme 1998 führte.

Als Gregoritschs Schuss am Dienstag im Tor landete, war das der Moment, in dem das Land spürte: Erfolg ist möglich. Geduld, Zusammenhalt und Mut zahlen sich aus.

Die Wirkung solcher Momente geht weit über den Platz hinaus. Kriege, Krisen, Inflation, steigende Lebenshaltungskosten, gesellschaftliche Spaltung drücken aufs Gemüt und sogar auf die Geburtenrate. Vor diesem Hintergrund wirkt das ÖFB-Team wie ein Leuchtturm: Es präsentiert sich als Familie, als Einheit, in der jeder für den anderen da ist. Kein Ego, keine Missgunst, die nach außen dringt. Stattdessen: gemeinsames Hoffen, Jubeln, Feiern. Im Stadion, vor den Bildschirmen, auf den Straßen. 

Und plötzlich ist dieser Erfolg etwas, das uns verbindet, unabhängig von sozialer Herkunft, Meinung oder Alltagssorgen.

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Es ist noch lange nicht gesagt, dass die Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA ein reines Freudenfest wird. Es reicht nicht, auf der ganz großen Bühne dabei zu sein, Österreich muss und will sich dort würdig präsentieren. 

Aber in jedem Fall werden wir etwas haben, das uns im kommenden Sommer zusammenbringt.

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