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USA oder Iran: Wessen Zeit läuft schneller ab?

Durchhalten – das will der Iran. Aber was genau will Trump? So lange der US-Präsident Drohungen mit einem klaren Ziel verwechselt, wird der Krieg weitergehen.
Ingrid Steiner-Gashi
Ein Soldat seilt sich von einem Hubschrauber auf das Deck eines Kriegsschiffes ab, während ein Kamerad die Aktion sichert.

Erinnert sich noch jemand? Am ersten Tag der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran, Ende Februar, versprach US-Präsident Donald Trump großspurig: Binnen vier bis sechs Wochen sei das Regime in Teheran besiegt, der Iran danach atomwaffenfrei und ja, die Bedrohung Israels durch die mit dem Iran verbündeten Milizen im Libanon beseitigt.

Das war vor knapp fünf Monaten und drei größeren Strategiewechseln der USA später – die erratischen, halbtäglich wechselnden Drohungen, Versprechungen und Ankündigungen Trumps gar nicht eingerechnet.

Wo stehen wir jetzt? 

Vor einem Abnützungskrieg, auf einem militärisch gesehen relativ niedrigen Niveau gehaltenen Waffengang, der sich noch als sehr langwierig erweisen könnte. Dabei läuft sowohl den USA als auch dem Iran bei ihrem erneuten Streit um die Straße von Hormus die Zeit davon. Die Frage ist, wessen Zeit zuerst abläuft.

Dabei scheint die tickende Uhr der iranischen Seite in die Hände zu spielen – sofern es Teheran gelingt, die USA nicht wieder zu militärischen Großangriffen zu reizen. Anders gesagt: Teheran setzt mit sorgfältig kalibrierten Attacken alles daran, die Kontrolle über die Straße von Hormus aufrechtzuerhalten.

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Amerikanische Rakete gegen Ziel im Iran

Mit einer geschwächten, aber noch immer ausreichend schlagkräftigen Flotte kleiner Boote und Antischiffsraketen gelingt es, Öltanker und andere Schiffe am Verlassen des Persischen Golfs zu hindern. Die von Trump wieder verhängte Seeblockade glaubt die Führung in Teheran verkraften zu können.

Was also will der Iran? 

Durchhalten, bis sich eine wesentlich bessere Verhandlungsposition ergibt; bis Trump angesichts der US-Zwischenwahlen im Herbst einknickt.

Und was wollen die USA? Ja – das ist die eigentliche Frage: den Iran in die Knie zwingen, koste es, was es wolle? Die Atomwaffenfrage ein für alle Mal klären? Dem Regime in Teheran zumindest die Kontrolle über die Straße von Hormus wieder entreißen? 

So lange die USA keine klare Strategie entwickeln, was ihr Ziel sein soll, wird dieser Krieg auf zumindest niedrigem Niveau weitergehen. So lange die mächtigste Armee der Welt keine klaren Vorgaben hat, was sie erreichen soll, wird sie gegenüber dem militärisch unterlegenen Iran schwach aussehen. Und so lange Trump Drohungen, Beleidigungen und irrwitzige Forderungen (wie 20-Prozent-Abgaben für Schiffe im Persischen Golf an die USA) hinausposaunt, statt ein planmäßiges Vorgehen zu präsentieren – so lange wird alles ein gefährliches, verlustreiches Kräftemessen ohne Lösung bleiben.

Nur ein paar Verlierer stehen jetzt schon fest: die weltweite Energieversorgung, der Ölpreis, die Weltwirtschaft. Aber die sind bekanntlich sowohl dem Iran als auch dem Herrn im Weißen Haus herzhaft egal.

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