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Hilfsgelder für Bauern? Der Staat kann nicht alle retten

Wer sich als Landwirt in Zeiten absolut vorhersehbarer Dürreperioden nicht gegen Dürre versichert, kann nicht mit Hilfsgeldern rechnen.
Michael Hammerl
++ THEMENBILD ++ WETTER/KLIMA/HITZE/ACKERBAU/AGRAR

Staubtrockene Felder, Notschlachtungen, Ernteausfälle: Österreichs Landwirtschaft leidet massiv unter der historischen Dürre. Selbstverständlich ist das eine „Katastrophe“. Überraschen kann und darf diese aber niemanden. 

Zumindest niemanden, der die Klimaforschung nur mit einem halben, zugekniffenen Auge verfolgt und ernst nimmt. Wir kennen die Prognosen: Dürreperioden wie diese werden künftig zur Norm, dasselbe gilt für „Jahrhunderthochwasser“. Das ist keine Klimahysterie, sondern Fakt. Und daran muss sich eine Gesellschaft anpassen – ob sie will oder nicht. Die Implikationen sind relativ klar. Wir werden uns wie andere Teile der Welt daran gewöhnen müssen, Wasser zu rationieren. Wer sein Haus vor Jahrzehnten in einer Gefahrenzone gebaut hat, muss sich à la longue wohl eine neue Bleibe suchen.

Und ja, auch Bauern müssen ihr Geschäftsmodell anpassen. Ein Teil des Problems lässt sich mit neuen, hitzeresistenteren Pflanzensorten lösen. Dazu laufen Forschungsprojekte, etwa die AGES-Versuchsstation in Großnondorf. Auch eine offenere Debatte über – bitte nicht erschrecken – Gentechnik wäre wünschenswert.

Doch jetzt zur eigentlichen Frage: Inwiefern hilft das jenen Betrieben, die akut betroffen sind? Die Hagelversicherung geht heuer von einer Milliarde Euro an Schaden in der Landwirtschaft aus – wovon sie rund 400 Millionen abdecken wird. Hier leistet der Staat, der 55 Prozent der Prämien aus der Hagelversicherung übernimmt, bereits einen beträchtlichen Beitrag. Finanzieller Spielraum für weitere Zuschüsse ist de facto nicht vorhanden, wie Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) bereits klarstellte. Kaum ein Experte wird ihm widersprechen. Dieses Budget ist bekanntlich auf Kante genäht.

Die ÖVP hat ihrer starken Bauernlobby dennoch bereits ein Hilfspaket versprochen. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig will sogar jenen unter die Arme greifen, die sich nicht gegen Dürre versichert haben. Wie bitte? Das stößt nicht nur bei den Koalitionspartnern auf Verwunderung und Ablehnung. Auch alle Landwirte, die brav Versicherungsbeiträge bezahlt haben, dürften sich verwundert die Augen reiben. Sind sie nun die Dummen?

Österreichs Landwirtschaft muss hitzeresistenter werden – und die Politik weniger lernresistent. Wenn die vergangenen Krisenjahre etwas gelehrt haben, dann, dass uns mehr Eigenverantwortung guttäte. Dass es nichts bringt, reale Probleme so lange mit Geld zuzuschütten, bis sie sich nicht mehr verschleiern lassen. „Koste es, was es wolle“ kann sich Österreich einfach nicht mehr leisten. Das Zauberwort lautet „Prävention“. Im aktuellen Fall ist das die Anpassung an Wetterextreme – und eine Klimapolitik, die diese Bezeichnung auch verdient.

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