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Extreme Dürre, Bauern in Not: „Es geht um die Existenz vieler Familienbetriebe“

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig über die extrem angespannte Situation der bäuerlichen Betriebe, die Ernteausfälle und die Sorge vor künftigen Extremwetterereignissen.
Traktor zieht ein rot-schwarzes Ackergerät über ein staubiges Feld.

Heute, Montag, wird eine erste Schadensbilanz zu den Auswirkungen der Trockenheit für die Landwirtschaft vorgelegt. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig erklärt, welche Unterstützung jetzt dringlich ist.

KURIER: Sie sagten, die Landwirtschaft ist mit voller Wucht von den Auswirkungen des Klimawandels getroffen worden. Wie ist die Situation?

Norbert Totschnig: Wir erleben eine anhaltende Trockenheit im historischen Ausmaß. Das stellt auch unsere Bäuerinnen und Bauern vor enorme Herausforderungen. Das heurige Jahr wird – wenn es nicht rasch eine deutliche Entspannung gibt – das trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen. Für unsere Bäuerinnen und Bauern bedeutet das hohe Ernteausfälle, besonders starke Ertragseinbußen im Grünland, Wasser- und Futtermangel auf den Almen und daher verfrühten Viehabtrieb.

Stimmt es, dass Bauern bereits Vieh verkaufen, weil das Futter fehlt?

Aufgrund des Futtermangels kommt es teilweise zu Notverkäufen und vorgezogenen Schlachtungen. Unsere Landwirtschaft ist massiv unter Druck.

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Der Osttiroler Norbert Totschnig ist Agrarminister.

Wie groß sind die Ernteausfälle?

Das ist sowohl regional als auch bei den angebauten Kulturen unterschiedlich. Beim Getreide dürfte der Rückgang österreichweit gegenüber dem Vorjahr rund 20 Prozent betragen. Im Grünland, also auf den Futterwiesen, sehen wir regional Ertragseinbußen bis 50 Prozent. Auch Kulturen wie Mais, Kürbis, Soja und Erdäpfel, die vor allem im Herbst geerntet werden, leiden stark. Hier zeichnen sich daher ebenfalls deutlich geringere Ernten ab.

Gibt es überhaupt ausreichend Angebot auf den Gründlandfuttermärkten und wie entwickeln sich dort die Preise?

Futter ist grundsätzlich noch am Markt vorhanden, aber die Situation ist schon sehr angespannt. In vielen Regionen müssen die Betriebe bereits auf Vorräte zurückgreifen, die eigentlich für Herbst und Winter vorgesehen waren. Die Nachfrage auf den Futtermittelbörsen ist groß, das Angebot jedoch regional begrenzt. Das merkt man natürlich auch bei den Preisen.

Bundeskanzler Christian Stocker hat den Landwirten Unterstützung zugesagt. Mit welcher Größenordnung rechnen sie?

Christian Stocker nimmt die Situation unserer Bäuerinnen und Bauern ernst und hat den Auftrag gegeben, Hilfsmaßnahmen für betroffene Betriebe auszuarbeiten. Die Österreichische Hagelversicherung legt heute eine erste bezifferte Schadensbilanz zu den Auswirkungen der Trockenheit vor. Diese wird eine zentrale Grundlage für die weiteren Entscheidungen sein.

DÜRRE - ERNTE UNTER LANGJÄHRIGEM DURCHSCHNITT - MAISFELD (MAIS)

Beim Grünland sind die Ernteeinbußen bei 50 Prozent, auch bei Getreide, Mais, Kürbis, Soja wird eine geringe Ernte erwartet.

Welche Instrumente haben wir für die nötige Hilfe, und wird frisches Geld benötigt werden?

Wir müssen jedenfalls Instrumente wählen, mit denen treffsicher und im notwendigen Ausmaß geholfen werden kann. Auch Mittel aus dem Katastrophenfonds können eine Rolle spielen. In dieser Notsituation darf es keine Denkverbote geben, da müssen jetzt alle an einem Strang ziehen.

Wenn das nicht passiert, droht dann eine bäuerliche Insolvenzwelle? Viele Betriebe sollen längst am Limit sein.

Es geht jetzt um die Existenzen vieler bäuerlicher Familienbetriebe und um die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln. Die äußerst angespannte Lage ist allen bewusst und daher arbeiten wir jetzt gemeinsam an weiteren Maßnahmen.

Die Landwirte sprechen von einer noch nie dagewesenen Situation. Denken Sie, ist dieses Jahr eine Ausnahme oder könnte das das neue Normal werden?

Gemessen am bisherigen langjährigen Durchschnitt erreicht die heurige Trockenheit ein historisches Ausmaß. Wir müssen uns aber darauf einstellen, dass wir es künftig häufiger mit Extremwetterereignissen wie längeren und heißeren Trockenphasen sowie Starkregen zu tun haben. Das zeigt auch der Klimasachstandsbericht. Deshalb muss der Ausstieg aus fossilen Energieträgern konsequent fortgesetzt und Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel erfolgen. Wir unterstützen die Bäuerinnen und Bauern bereits seit vielen Jahren dabei, etwa im Rahmen des Agrarumweltprogramms. Darüber hinaus investieren wir zum Beispiel in effiziente Bewässerungssysteme und unsere Forschungseinrichtungen forschen an trockenheitstoleranten und standortangepassten Sorten. Diese Lösungen müssen wir weiter vorantreiben.

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