Warum Markus Marterbauer ein Vorbild ist
Finanzminister Marterbauer im Parlament
Jeder dritte Mensch in Österreich erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Aktuell leben mehr als 400.000 Österreicher mit einer Krebsdiagnose. Zu ihnen zählt nun auch Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ), der am Montag bekannt gab, an einem Lymphom erkrankt zu sein. Dieses gibt es in verschiedenen Ausprägungen, teilweise sind die Heilungschancen sehr gut. Marterbauer hat bereits mit seiner dreimonatigen Therapie begonnen – und bleibt im Amt.
Der Fall zeigt, wie sich der Umgang mit Krankheiten im Politbetrieb gewandelt hat – hin zur Transparenz. Beim 2004 verstorbenen Alt-Bundespräsidenten Thomas Klestil wurde jahrelang über dessen Krankheitsbild spekuliert. Heute ist es fast schon Usus, eine Erkrankung offen zu kommunizieren. Und zwar nicht nur, um Geheimniskrämerei vorzubeugen. Vor allem andere Beweggründe machen den Trend besonders begrüßenswert.
Erstens, weil Krebs, der heute häufig kein Todesurteil mehr ist, damit enttabuisiert wird. Dazu gesellt sich der traurige Umstand, dass viele Fehlinformationen kursieren, die den Leidensdruck Erkrankter noch stärker erhöhen. Ex-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky berichtete etwa, dass Menschen sie aufgrund ihrer Krebserkrankung für „ansteckend“ hielten. Kurzum: Jeder aufgeklärte Verwandte, Freund oder Arbeitgeber trägt dazu bei, dass Erkrankte ihr soziales Netz oder ihre ökonomische Basis seltener verlieren.
Aufklärung ist prinzipiell der wichtigste Punkt. Hier müssen wir noch gar nicht über Extremfälle reden, in denen schlecht Informierte statt einer „konventionellen“ Behandlung auf Alternativmedizin setzen – also ihr Leben riskieren. Es gibt ein viel größeres Problem, das die breite Masse betrifft: Wir gehen nicht oft genug zur Vorsorgeuntersuchung, obwohl laut Krebshilfe damit jede zweite Erkrankung erkannt oder verhindert werden könnte.
Das ist nicht nur mit Blick auf Einzelschicksale tragisch, sondern auch für das ohnehin sehr teure Gesundheitssystem. Jeder Euro, der in Prävention investiert wird, rentiert sich mehrfach. Anders formuliert: Die Krebserkrankung zu verhindern, ist deutlich billiger, als sie zu therapieren. Eigentlich ist es unverständlich, warum jemand, der Präventionsangebote verweigert, nicht höhere Sozialversicherungsbeiträge bezahlen muss.
Abschließend, und das sagt viel über den Zeitgeist aus, sei positiv hervorgehoben: Alle Parteivorsitzenden zeigten sich betroffen und wünschten Marterbauer rasche Genesung. In Kommentarspalten auf (a)sozialen Medien, das eher betagte Facebook sei zuvorderst genannt, zeigt sich ein „differenzierteres“ Meinungsbild. Die Dummheit hat nicht nur aufgehört, sich zu schämen. Sie gehört dort leider zu den wenigen Dingen, die Hochkonjunktur haben.
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