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Wolfgang Unterhuber

© Kurier

Leitartikel
03/19/2020

Koste es, was es wolle

Das 38-Milliarden-Paket offenbart, dass die Regierung von einem langen und harten Kampf gegen die Krise ausgeht.

von Wolfgang Unterhuber

„Koste es, was es wolle“ also. Das sagte auch der britische Kriegspremier Winston Churchill, als er sein Volk auf einen langen Krieg einschwor. Auf einen langen Kampf gegen ein Virus und gegen eine drohende Wirtschaftsdepression schwört uns nun auch unsere Regierung ein.

Dabei handelt sie absolut richtig. Sie hat ein Rettungspaket für uns alle geschnürt, das historisch ist. Und es ist auch absolut notwendig. Die Lage ist nicht ernst, sondern bedrohlich. Sowohl an der gesundheitlichen „Front“ als auch an der wirtschaftlichen.

Dass die Regierung dafür sage und schreibe fast zehn Prozent der gesamten Jahreswirtschaftsleistung unseres Staates zur Brandbekämpfung einsetzt, zeigt auch, dass sie die Situation richtig einschätzt. Denn wir steuern tatsächlich auf die größte gesundheitliche und wirtschaftliche Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg zu, wie Kanzler Sebastian Kurz und sein Vize Werner Kogler befürchten. Die Finanzkrise von 2008/’09 wird sicher weit übertroffen werden. Europa und die USA werden in eine schwere Rezession geraten.

Die Welt wird von einem Virus attackiert, weshalb die Welt ihre Geschäftigkeit nun dramatisch zurückfahren muss. Wie lange das notwendig sein wird, steht noch in den Sternen. In der Zwischenzeit müssen möglichst viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die nun über Nacht keine Einnahmen oder keine Arbeit mehr haben, gerettet werden. Der Zeitpunkt des Hilfsprogramms kommt also genau richtig. In den nächsten Tagen und Wochen werden Hunderttausende Arbeitnehmer und Arbeitgeber in diesem Land ihre Arbeit beziehungsweise ihre Einnahmen verlieren.

Die entscheidende Frage ist jetzt, wie lange diese Zwischenzeit anhalten wird. Die 38 Milliarden Euro legen dabei offen, dass die Bundesregierung mit einem rund dreimonatigen Stillstand, ähnlich wie in China, rechnet. Dazu müssten die bisherigen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus aber spätestens nächste Woche eine erste positive Trendwende ergeben. In diesem besten Fall wird es trotzdem weiterhin umfassende Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen erfordern, um eine neuerliche Ausbreitung des Virus zu verhindern. Wir sollten in diesen Tagen also auch nach China blicken. Dann werden wir wissen, wie unsere unmittelbare Zukunft aussieht.

Jedenfalls aber sollten wir uns auf harte Zeiten einstellen. Denn nachher werden wir die Kosten zur Bewältigung dieser schweren Krise auch wieder zurückzahlen müssen. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Jetzt gilt es, mit Mut, Zuversicht und Kreativität eine große soziologische und ökonomische Depression abzuwehren. Österreich hat dazu die Mittel und vor allem die Menschen. Wir alle werden nun mit aller Kraft zusammenstehen müssen. Koste es, was es wolle.