Meinung | Koreasitäten
11.02.2018

Vorsicht vor den Killer-Ventilatoren

Bärig: Dabei sind Südkoreaner in manchen Alltags-Geschichten wahre Angsthasen. © Bild: AP/Andy Wong

Warum die Koreaner keine Schmetterlinge berühren, nie den Rotstift ansetzen und gerne zum Wahrsager gehen.

Christoph Geiler | über kurioses Südkorea

Es könnte gerne ein wenig wärmer sein in PyeongChang. Und etwas weniger windig. Andererseits sind die 34 Grad unter Null, die dieser Tage hier bereits gemessen wurden, vielen Koreanern noch immer lieber als eine Hitzewelle. Gerade abergläubigen Menschen treibt es im Hochsommer den Schweiß auf die Stirn. Den Angstschweiß. In heißen koreanischen Nächten geht hierzulande nämlich die Furcht vor den Killer-Ventilatoren um.

In Korea wird viel Wind um die Ventilatoren gemacht. Für Nicht-Koreaner mag es nichts als heiße Luft sein, aber in diesem Teil von Asien glauben tatsächlich manche Menschen, dass ein Ventilator den Tod durch Ersticken oder Erfrieren bringen kann, wenn er denn die ganze Nacht durchläuft und das Zimmer abgeschlossen ist.

Auch mit den Schmetterlingen haben es die Koreaner nicht so. Schon beim leichtesten Flügelschlag beginnt das große Nervenflattern. Wer einen Schmetterling berührt, könne erblinden – das ist eines der vielen Schreckgespenste, die Abergläubige gerne verbreiten.

Wer vorhat, in eine andere Wohnung zu übersiedeln, muss trachten, dass die bösen Geister in der alten Unterkunft zurückbleiben. Deshalb übersiedeln Koreaner nur an bestimmen Tagen, es gibt sogar einen eigenen Kalender, in dem die sogenannten "bösen Tage" verzeichnet sind. Manche koreanische Umzugsfirmen verweigern an solchen Terminen den Dienst und lassen die Menschen dann selbst die Kartons schleppen.

Sogar beim Umgang mit Kuli und Pinsel herrscht in Korea Alarmstufe rot. Im Land der olympischen Winterspiele käme zum Beispiel niemand auf die Idee, einen Namen in roter Farbe zu schreiben. Denn das bringt Unglück, und im schlimmsten Fall den Tod.

Kein Wunder also, dass das Geschäft mit den Yeoksulga boomt. Die koreanischen Wahrsager lassen sich ihre Arbeit gut bezahlen, vor allem junge Paare unterziehen sich vor der Hochzeit gerne dem Gunghap-Ritual, einer Familienverträglichkeitsanalyse, mit der herausgefunden werden soll, ob Männlein und Weiblein eine rosige Zukunft bevorsteht.

Dass in der Hochzeitsnacht der Ventilator ausbleibt, versteht sich sowieso von selbst. Wobei findige koreanische Firmen längst schon auf die abergläubige Bevölkerung reagiert haben. Mittlerweile gibt es fast nur mehr Ventilatoren mit Timer-Funktion, die sich von selbst ausschalten.