Schwedenbomben essen und die Welt retten

Die Nachricht von der Pleite der Süßwaren-Firma Niemetz ließ die Verkaufszahlen der altmodischen Kalorienbombe hochschnellen.

Damit hätte sich Michael Häupl sicher nicht blamiert: Eine Volksbefragung für den Erhalt der Original-Schwedenbomben würde heute problemlos eine buchstäblich satte Mehrheit bekommen (und wäre mindestens so sinnvoll wie andere Fragen auch).

Die Nachricht von der Pleite der Süßwaren-Firma Niemetz (der KURIER berichtete übrigens als erstes Medium darüber) ließ die Verkaufszahlen der altmodischen Kalorienbombe hochschnellen. Auf Facebook sammelten sich Zehntausende Fans, die Kunden stehen nun Schlange vor dem Geschäft und hamstern die leicht verderbliche Nascherei. Ein modernes Märchen.

Die Firma kann vorerst weiterproduzieren, muss aber saniert werden. Ob das ohne starken Partner geht, darf allerdings stark bezweifelt werden. Bei aller nostalgischer Verklärung sollte man aber ein paar Fakten nicht übersehen.

Innovation, nein danke

Auch wenn die Facebook-Gemeinde auf Handelsketten schimpft, die böse deutsche Süßigkeiten (Dick! Mann!) in die Regale legen und mit österreichischer Traditionsware (seit 1890!) zu wenig liebevoll umgeht, sollte man die Kirche im Dorf lassen. In dieses Produkt wurde schon lange keine Idee mehr investiert. Gut so, sagen die Puristen unter den Schwedenbomben-Fans. Aber selbst starke, seit Jahrzehnten angeblich unveränderte Marken wie Coca-Cola haben ihr Erscheinungsbild laufend heimlich modernisiert und die Produktpalette erweitert, indem sie etwa auf den Schlankheitstrend setzten. Selbst der heimische Traditionsbetrieb Manner ging ein wenig mit der Zeit. Niemetz hat gleich mehrere Bewegungen verschlafen: die Kauflust auf rein österreichische Bio-Lebensmittel, die Diätwelle und den Gusto auf edle Schokoladen (Zotter, Berger!). Weder wurden die Produktion und das reichlich biedere Verpackungsdesign modernisiert, die Materialqualität verbessert, noch die Produktpalette erweitert.

Die ganze Geschichte hat etwas Urösterreichisches und lässt sich sehr schön mit dem heimischen Staatswesen vergleichen: Man lebt seit Jahrzehnten von der historischen Substanz – und wenn’s dann im Gebälk bröckelt, ist die Globalisierung schuld, der Kapitalismus oder einfach Brüssel.

Schotten wir uns doch ab, verbieten wir die Konkurrenz, lautet die (unglaublicherweise selbst in manchen Uni-Lehrsälen) akklamierte Forderung. Dann würde es reichen, dass wir eh süß und ein bisschen rückwärtsgewandt sind. Aber noch ist nicht alles verloren: Esst Schwedenbomben (und Mannerschnitten und Mozartkugeln) für eine bessere Welt!

(Kurier) Erstellt am
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