über "gute Nachrichten"
12/20/2014

Na, gute Nacht! Nein, gute Nachrichten!

Ein Dutzend Gründe für Sektlaune – plus ein paar "Nebensächlichkeiten", die Kopfweh bereiten.

von Martina Salomon

Ein Dutzend Gründe für Sektlaune – plus ein paar "Nebensächlichkeiten", die Kopfweh bereiten.

Dr. Martina Salomon | über "gute Nachrichten"

Rückkehr des kalten Krieges, Terror-Angst, Arbeitslosigkeit, Politikkrise. Gibt’s denn gar keine guten Nachrichten? Ja doch, ein paar (wenige). Zum Beispiel das Ende der Eiszeit zwischen Kuba und Amerika. Eine historische Wende zum Besseren – und einer der wenigen Erfolge des einst zu hochgejubelten Barack Obama. Vielleicht kehrt nun auch der 1960 von Fidel Castro enteignete Unternehmer Facundo Bacardi von der weltbekannten Rum-Firma in sein Heimatland zurück. In Österreich läuft die Entwicklung übrigens umgekehrt: mehr statt weniger Staatswirtschaft. Hoppala, das gehört jetzt aber nicht zu den guten Nachrichten.

Öl, Globalisierung und Mickymaus-Börse

Theoretisch ist auch der niedrige Ölpreis für die europäische Wirtschaft gut, wie Nationalbankchef Ewald Nowotny kürzlich anmerkte. Die Kehrseite: Der Preisverfall bringt ölexportierende Länder wie Russland unter Druck, und eine Russlandkrise ist für viele heimische Wirtschaftszweige (Banken, Immobilienwirtschaft, Tourismus, Juweliere) existenzbedrohend. Ups, zurück zu den good news: Österreichs Exporte wachsen, auch wenn der Marktanteil heimischer Produkte in der Welt schrumpft, was aber bei einer immer globalisierteren Wirtschaft logisch ist. Globalisierung? Darf man dieses Wort überhaupt in positivem Zusammenhang verwenden? Ja, gerade arme Länder haben davon profitiert. Österreich übrigens auch, erstaunlich viele heimische Firmen sind Weltmarktführer. Selbst die Wiener Börse, die im internationalen Vergleich nur Mickymaus-Format hat, schlug sich 2014 bei den Umsätzen respektabel. Von der Kursentwicklung wollen wir aber lieber schweigen.

Das zu warme Jahr hat einem Durchschnittshaushalt heuer 150 Euro Heizkosten erspart (leider auch den Druck auf die Energieversorger verstärkt, die momentan durch den Wind sind). Sogar den lächerlich niedrigen Zinsen, ein Ärgernis für Sparer, kann man Gutes abgewinnen: Sie erleichtern den Schuldendienst des Staates, das spart Milliarden. (Fragen Sie jetzt aber bitte nicht, warum im Gegensatz zu Deutschland trotz Rekordeinnahmen das Budget aus dem Ruder läuft.)

Wien ist wieder Schauplatz internationaler Konferenzen. Außenminister Sebastian Kurz hat sich gut geschlagen – und ist selbst zu einer Art Exportschlager des Landes geworden, mit Würdigungen etwa im deutschen Spiegel. Auch kulturell spielt Österreich weiterhin in der obersten Liga mit. Selbst der eher absurde Song Contest im kommenden Juni ist eine gute Fremdenverkehrswerbung (wobei man nur inständig hoffen kann, dass die internationalen Kamerateams keinen Blick auf die trostlose Umgebung der Stadthalle werfen).

(Noch-)IHS-Chef Christian Keuschnigg öffnete ein letztes Adventkästchen und entdeckte dort sogar eine mögliche Rückkehr zu stärkerem Wachstum (Österreich ist ja mittlerweile Nachzügler in der Euro-Zone) – jedoch nur "bei entsprechender Politik". Dazu fällt uns jetzt spontan allerdings noch keine gute Nachricht ein.

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