über die Zielpunkt-Pleite
12/01/2015

Ein Fabelwesen, das aussterben musste

Die Zielpunkt-Pleite zeigt: Die Handelswelt verändert sich rasant, nicht nur durch das Internet.

von Christine Klafl

Zielpunkt war immer ein undefinierbares Fabelwesen. Das jetzt eben aussterben muss.

Christine Klafl | über die Zielpunkt-Pleite

Fast 3000 Zielpunkt-Beschäftigte, die vor der Arbeitslosigkeit stehen und vielleicht noch wochenlang auf Gehalt und Weihnachtsgeld warten müssen – das ist entsetzlich bitter. Und sicher auch genug Anlass für Gewerkschafter, Gift und Galle zu spucken. Doch trotz aller Emotionen müssen ein paar Wahrheiten gesagt werden.

All jenen ins Stammbuch geschrieben, die jetzt fordern, dass Zielpunkt-Eigentümer Pfeiffer viel mehr hätte unternehmen müssen, um die Kette zu retten: Wann waren Sie denn das letzte Mal in einer der Filialen, die jetzt zusperren werden? Von salbungsvollen Reden kann kein Händler leben, sehr wohl aber von regelmäßiger Kundschaft.

Den wechselnden Eigentümern von Zielpunkt dagegen muss vorgeworfen werden, dass sie es nie geschafft haben, in Herz und Hirn der Kunden zu landen. Nicht Fisch, nicht Fleisch, kein Diskonter, aber auch kein Supermarkt, der Erlebniseinkauf bietet – Zielpunkt war immer ein undefinierbares Fabelwesen. Das jetzt eben aussterben muss. Sie werden sehen: Dem Verbraucher wird Zielpunkt schon in naher Zukunft nicht mehr abgehen. Viel zu schnelllebig ist die Handelswelt geworden. Oder trauern Sie tatsächlich noch Konsum nach? Können Sie sich überhaupt noch an Herlango oder Kaindl erinnern? Aktionen wie "Rettet die Niemetz-Schwedenbombe" funktionieren bei Handelsketten nicht, die sich überlebt haben und auf Schuldenbergen sitzen.

Das Internet sorgt gerade dafür, dass sich die Welt im stationären Handel noch viel schneller dreht. Im Web bestellen, aber über das schleichende Ladensterben jammern; bei Amazon ordern, sich aber über die schlechten Bedingungen für Lagerarbeiter aufregen – dieser Zwiespalt wird immer offensichtlicher werden.

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