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25.02.2018

Warum Strache Haiders Schatten fürchten muss

Was Blau von den Landesfürsten lernen könnte: Über Sieg oder Niederlage entscheiden Timing und Gespür.

Noch murren Blaue über den Pro-Raucher-Feldzug des FPÖ-Chefs nur leise: Strache ist eben kein Haider.

Josef Votzi | über Türkis-Blau in der Raucher-Sackgasse

Heute geht es im Österreicher-Haus in PyeongChang noch einmal rund. Die Abschlussfeier der nächtlichen Winterspiele geht höchst zuschauerfreundlich heute mittag um 12 Uhr (MEZ) über die Bühne. Schlaflose Nächte für Sportfans sind bei den nächsten Winterspielen, 2022 erstmals in China, dank sieben Stunden Zeitverschiebung neuerlich garantiert.

Ginge es nach dem Willen von ÖSV, Wirtschaft und Politik-Spitzen, wäre damit vier Jahre danach wenigstens für einmal Schluss gewesen. Tirol wollte sich für die Winterspiele 2026 bewerben. Tirols Wähler sagten freilich knapp Nein dazu. Die Volksbefragung fand im Windschatten der Nationalratswahl am 15. Oktober des Vorjahres statt und daher bundesweit kaum Beachtung. Sie beweist aber nachhaltig: Über Sieg und Niederlage entscheiden in der Politik richtiges Gespür und Timing.

Tirols Landeschef Günther Platter gehörte führend zu jenen, die Olympia wieder heimholen wollten. Vor der Abstimmung hütete er sich aber, eine klare Empfehlung abzugeben, sondern machte sich für das Bürger-Votum stark. Die Niederlage kassierte der Olympia-Gedanke. Platter startete unbeschadet in seine dritte Wiederwahl als Landeschef – mit guten Aussichten auf Stimmengewinne, trotz ähnlich zurückhaltender Ergebnis-Ansage wie jüngst auch im Fall von Johanna Mikl-Leitner.

Blaues Murren: Strache ist eben kein Haider

Ob es in EU-Zeiten noch neun Bundesländer samt neun Landeshauptleuten braucht, darüber lässt sich trefflich streiten. Eines ist aber unbestreitbar: So ein Riesen-Pallawatsch wie beim Rauchverbot wäre keinem der Landesfürsten passiert – schon gar nicht dem einzigen FPÖ-Landeshauptmann, Jörg Haider. Heinz Christian Strache sollte auf der Hut sein: Das sagen, by the way, auch immer mehr FPÖ-Politiker – noch hinter vorgehaltener Hand.

Wie kommt es, dass sich Kurz und Strache nach erfolgreicher Wahl nun derart vernebelt in der Tschick-Sackgasse breit machen? Analysen, unterm Deckmantel des Rauchverbots mache sich primär Hass gegen Türkis-Blau Luft, greifen zu kurz. Erwin Pröll, der demonstrativ das Volksbegehren unterschrieben hat und sich bereits zum zweiten Mal besorgt zu Wort meldet, kann man wohl schwer nachsagen, er würde Türkis-Blau das Schlimmste wünschen.

Die blauen Retter des blauen Dunstes wollen "Neu Regieren", haben aber hier schlicht die neuen Zeiten verschlafen. Die Ära, als Rauchen noch cool war, ist längst vorbei. Die Ikonen der Epoche "ein Tschick ist schick" wurden vornehmlich noch in Schwarz-Weiß verewigt. Heinz Fischer hat jüngst im KURIER einen simpel klingenden, aber klugen Vorschlag gemacht: "Man sollte die bestehende Rechtslage (=Rauchverbot ab 1. Mai in allen Lokalen) einfach beibehalten. Es gibt keine Notwendigkeit, dass die ÖVP-Abgeordneten das Gegenteil dessen beschließen, was sie vor kurzer Zeit noch für richtig erachtet haben." Zumindest solange, bis ein Ergebnis des "Don’t smoke"-Plebiszits vorliegt und die Parlamentarier ihr Votum zum Volksvotum abgegeben haben.