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03/28/2014

Österreich braucht mehr Reiche

Soll der Staat die Sammlung Essl kaufen? Besser wären private Mäzene, die es hierzulande kaum gibt.

Soll der Staat die Sammlung kaufen? Besser wären private Mäzene, die es hierzulande kaum gibt.

Dr. Martina Salomon | über die Sammlung Essl

Für einen Milliardär wie George Soros oder Warren Buffett wäre es ein Leichtes, achtzig oder mehr Millionen Euro für die Kunstsammlung der Familie Essl zu zahlen und sich mit solchem Mäzenatentum ein Denkmal zu setzen. Doch Österreichs Reiche investieren lieber in Immobilien (Karl Wlaschek), in Parteien (Hans-Peter Haselsteiner), in Sport (Dietrich Mateschitz) oder in Luxus-Jachten (Heidi Horten) – und nur wenige in Kunst (Herbert Liaunig, der eine großartige Sammlung in einem architektonisch innovativen Museum in Kärnten besitzt).

Aber exorbitante Einkommensbesteuerung und hohe Umverteilung in Österreich dürften den Spitzenverdienern das Gefühl geben, sie müssten der Allgemeinheit nichts mehr freiwillig zurückgeben. Daher ist es nicht unlogisch, dass der bauMax-Chef und leidenschaftliche Sammler Essl sein Glück beim Staat, nicht aber anderen privaten Sammlern und Sammlungen versucht. Selbst Bildungseinrichtungen pumpen zwar ständig den Staat um Geld an, aber kaum ihre wohlhabenden Absolventen, wie das etwa in den USA gang und gäbe ist.

Die wenigen potenziellen heimischen Mäzene scheinen auch Sorge zu haben, scheel betrachtet zu werden, nach dem Motto: "Der muss aber ein Geldsack sein!" Hierzulande herrscht kaum Wertschätzung gegenüber jenen, die Wohlstand, ja selbst Reichtum, schaffen. Wer gut verdient, den will man in Österreich tendenziell eher bestrafen, als ihn nachzuahmen. Dass über zweieinhalb Millionen Beschäftigte keine Lohn- oder Einkommensteuer zahlen, gilt als Errungenschaft statt als Alarmsignal. Der alte Witz hat immer noch Gültigkeit: Sieht ein Amerikaner einen Rolls-Royce auf der Straße, denkt er sich: "Ich will da rein." Sieht ein Österreicher einen Rolls-Royce, denkt er: "Wir holen dich da raus."