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Leitartikel
09/27/2019

Klimapanik wird uns nicht retten

Das Anliegen des Klimaschutzes muss mit unseren zivilisatorischen Errungenschaften in Einklang gebracht werden.

von Rudolf Mitlöhner

In ganz Österreich gehen heute vermutlich Tausende Menschen auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. "Earth Strike" nennt sich das und ist eingebettet in die "Week for  Future" (20. bis 27. September) der globalen Umweltbewegung "Fridays for Future".

Deren Ikone, die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg, hat mit ihrer Wutrede vor den Vereinten Nationen ihre schon bisher emotional hoch aufgeladene Performance noch einmal drastisch zugespitzt. Unbestritten ist, dass durch das Phänomen Greta das Thema Klimawandel eine völlig neue Dimension der Aufmerksamkeit erfahren hat. Weder in der kleinen österreichischen (Wahlkampf-)Welt noch in der größeren europäischen Welt kommt jemand daran vorbei. (Wie es in der noch viel größeren außerhalb Europas aussieht, sei freilich dahingestellt ...)

Gleichzeitig muss man sagen, dass die einschlägige Auseinandersetzung zunehmend irrationale Züge annimmt und eine differenzierte Betrachtungsweise kaum noch zulässt. Umso mehr verdient eine Stellungnahme des unverdächtigen grünen(!) Bürgermeisters von Tübingen, Boris Palmer, Beachtung. Er wendet sich vor allem gegen die Fortschrittsfeindlichkeit, die bei Thunberg & Co. so deutlich spürbar ist. Mit Beispielen unterlegt weist Palmer in der Bild-Zeitung auf die für frühere Generationen unvorstellbaren zivilisatorischen Errungenschaften hin. "Nein, wir haben Deine Jugend nicht zerstört", entgegnet Palmer Gretas Anklage. "Wir haben eine Welt erschaffen, die bessere Lebenschancen für junge Menschen bietet als jemals zuvor in der Geschichte."

Diese Errungenschaften aber basieren auf Aufklärung und Vernunft, auf den Entwicklungen in Technologie und Ökonomie. Also jenen Bereichen, die den Thunbergs dieser Welt als menschenfeindlich und unheilbringend gelten.

Abkühlung tut not

Gewiss ist ein behutsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen mehr denn je ein Gebot der Stunde. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht mit dem Bad des Klimaschutzes das Kind unserer modernen Zivilisation (siehe Palmer) ausschütten. Stattdessen gälte es, um die besten, zukunftsweisenden Lösungen zu ringen. Also das zu tun, was auch bisher Wohlstand, Freiheit und Sicherheit gebracht hat. Europa wäre gut beraten, sich dessen zu besinnen, was seine Erfolgsstory erst ermöglicht hat.

Die "Panik", zu der uns Greta Thunberg aufruft, ist indes das exakte Gegenprogramm. Es ist die Stimmungslage der Untergangspropheten aller Zeiten. Nicht nur der Planet, auch die Klimadebatte braucht Abkühlung.