Grüne Zerfleischung wird zum ORF-Skandal

Was wie eine grüne Familienaufstellung wirkte, war wohl der Versuch, die Parteichefin gut wirken zu lassen.

Warum, ja warum nur tut sich Eva Glawischnig, die Chefin der Grünen, das an? Warum setzt sie sich mit der jungen Rebellin Flora Petrik ins Fernsehen, um Im Zentrum parteiinterne Schmutzwäsche zu waschen? Jetzt wissen wir die Antwort: Der ORF hat offensichtlich gemeinsam mit der grünen Spitze diese Sendung geplant, um Eva Glawischnig gut aussehen zu lassen. Also wurde der bereits eingeladene, eher kritische Alt-Grüne Johannes Voggenhuber wieder ausgeladen und durch einen PR-Agenten ersetzt, der gut gebrieft die junge Grüne heftig attackierte, um die Parteichefin strahlen zu lassen. Das Konzept ging nicht auf, was wohl auch daran lag, dass es zu durchsichtig war.

Im ORF laufen gerade heftige Debatten, ob Generaldirektor Wrabetz eine Struktur, die er bei seiner Wiederwahl versprochen hat, auch umsetzt. Bisher hat er sich nicht getraut. Programmdirektorin Zechner hat zwar keinen journalistischen Hintergrund, will sich die TV- Information aber nicht wegnehmen lassen. Der stellvertretende Chefredakteur Wolf will weiter wichtig bleiben, obwohl er nur drei Tage pro Woche moderiert, und der oberste Chef hat vor allem Angst – vor seinen Redakteuren und vor der Politik. Die Frage, vor wem er sich gerade mehr fürchtet, wird das interne Match entscheiden.

In einer solchen Stimmung bleibt wenig Zeit für die wirkliche Arbeit. Umso schlimmer, wenn ein öffentlich finanziertes Unternehmen, das eben wieder Gebühren erhöht hat, so klar Schlagseite für eine Partei demonstriert. Politische Berichterstattung ist ohnehin schwierig, weil sich Parteien gerne beschweren. Da war das Vorgehen des ORF schon besonders unprofessionell, wo dem Sender ohnehin grüne Sympathien nachgesagt werden.

(kurier) Erstellt am
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