über den Pferdefleisch-Skandal
02/16/2013

Gesund essen ist keine Hexerei

Der Fleischskandal zeigt: Die Kennzeichnung muss noch besser werden, Grund für Hysterie gibt es nicht.

von Martina Salomon

Die jüngste Lebensmittelaffäre hat aber auch etwas Gutes

Dr. Martina Salomon | über den Pferdefleisch-Skandal

Die schlechte Nachricht vorweg: Es gibt als Rindfleisch maskiertes Pferdefleisch im Fertig-Produkt – leider auch in Österreich. Na Mahlzeit! Die jüngste Lebensmittelaffäre hat aber auch etwas Gutes, wenn sie das Bewusstsein für die Qualität der Lebensmittel schärft. Das Amag-Gütesiegel zum Beispiel garantiert nachvollziehbare Herkunft, der österreichische Handel setzt insgesamt immer mehr auf Bio. Wer hierzulande gesund leben will, hat daher jede Menge Möglichkeit dazu. Aber nur, wenn man genug Geld hat, lautet das beliebteste Gegenargument. In den allermeisten Fällen ist das falsch. Am teuersten isst, wer ungesunde (Halb-)Fertignahrung kauft. Krank wird man weniger durch Nahrung aus dem Supermarkt, als durch mangelnde Bewegung, Alkohol und Rauchen. Vor allem Nikotin ist der Killer Nummer eins. Nichts ist lächerlicher als ein paffender Öko, der sich vor Gift im Essen fürchtet.

Gesundes Essen ist ja zu einer neuen Religion mit deutlich hysterischen Zügen geworden. US-Wissenschaftler machen sich nun sogar für ein Verbot irreführender Werbung stark, damit die Konsumenten nicht für wertvoll halten, was in Wirklichkeit zu süß und zu fett ist. Aber Hand aufs Herz: Reicht denn nicht der gesunde Menschenverstand, um zu erkennen, dass so manches Kinderprodukt die reinste Kalorienbombe ist? Dass das Dauer-Nuckelfläschen Gift für Kinderzähne ist? Dass Milchprodukte keine Diätprobleme lösen können? Dass Mineralwasser gesünder ist als jeder Soft-Drink?

Die gute alte Zeit war gar nicht gut

Im Grunde sind das Scheindiskussionen, selbst wenn sie von Experten kommen. Denn noch niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit konnte man sich gesünder ernähren als jetzt. Beschwören wir doch nicht die gute alte Zeit! Schimmel, Mutterkorn und verseuchtes Wasser töteten Millionen Menschen. In der zivilisierten Welt sind sie kaum eine Gefahr mehr. Die übergroße Hygiene hat sogar ein neues Problem erzeugt: Allergien scheinen stark gestiegen zu sein, weil sich Kinder heutzutage zu wenig im Dreck wälzen. Gut möglich, dass das auch an der übergroßen Zufuhr künstlicher Aromastoffe liegt. Es ist daher auch Erziehungsaufgabe, seine Kinder vor Nahrungsschrott zu schützen. Gott sei Dank hat die Gegenbewegung längst eingesetzt, zumindest in höheren Bildungsschichten. Man besinnt sich wieder auf Produkte aus der Region: auf Brot, das nach etwas schmeckt, auf Artenvielfalt beim Gemüse. Gesundes Essen sollte keineswegs nur eine elitäre Sache, sondern auch Massenprodukt sein. Das ist die gute Nachricht: Im „Feinkostladen“ Österreich ist das sogar einfacher als anderswo.

Angesichts des Pferdefleischskandals wünschen sich die Konsumenten aber zu Recht noch bessere, noch auffälligere Kennzeichnung der Lebensmittel Das soll bitte auf einen Blick und ohne Lupe ersichtlich sein! Österreichisches Pferdefleisch ist übrigens kein Problem, sondern eine gesundheitlich völlig unbedenkliche Delikatesse, garantiert ohne Rennpferd-Dopingmittel.