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09.03.2018

Geschichte aufarbeiten, statt billiger Tagespolitik

Geschichte darf nicht für primitive Polemik verwendet werden. Da wäre eine gemeinsame Kommission gut.

Geschichte darf nicht für primitive Polemik verwendet werden.

Dr. Helmut Brandstätter | über Aufarbeitung

Der steirische Landeshauptmann Schützenhöfer will sich mit einer reinen FPÖ-Historikerkommission nicht zufriedengeben. Alle Parteien sollten gemeinsam ihre braunen Flecken aufarbeiten, sagt der erfahrene ÖVP-Politiker. Die erste Reaktion von ÖVP und SPÖ ist typisch für die Innenpolitik: Nein danke, wir haben das schon gemacht oder sind gerade dabei.

Es muss schon genau unterschieden werden. Die jüngsten Vorfälle mit antisemitischen Liederbüchern oder Hitler-Bildern spielten sich im Umfeld der FPÖ ab. Da haben FPÖ-Politiker die Verantwortung zu übernehmen, die Führung der Partei soll endlich dort aufräumen, wo sie gerne verniedlichend vom "Narrensaum" spricht. Wenn in einer anderen Partei ähnliches Gedankengut auftaucht, muss das auch Konsequenzen haben.

Die historische Betrachtung ist aber auch wichtig, und die gehört gemeinsam aufgearbeitet. Zu Beginn der Zweiten Republik haben auch ÖVP und SPÖ im Buhlen um ehemalige Nazis Fehler gemacht. In der Steiermark hat sich ausgerechnet Alfons Gorbach, als christlich-sozialer Politiker einer der Ersten im Konzentrationslager der Nazis, um die Integration ehemaliger Nazis gekümmert, in Kärnten war es die SPÖ, die das tat; auch der Bund sozialistischer Akademiker (BSA) zeigte da wenig Scheu. Die Vorgängerorganisation der FPÖ, der VdU, wiederum wurde von Verfolgten des Nazi-Regimes gegründet, erst später wurde ein ehemaliger SS-Offizier Parteichef.Das ist alles lange her, aber das Wissen um die historischen Zusammenhänge wird umso wichtiger, je weniger Zeitzeugen noch leben. Es muss doch möglich sein, die Geschichte ohne die oft erdrückende Schlichtheit der Tagespolitik aufzuarbeiten.