über die Flüchtlingstragödien
08/31/2015

Einfach nur zum Schämen

Die Flüchtlingstragödien wecken bei älteren Menschen schon die schlimmsten Erinnerungen.

von Gert Korentschnig

Einfach nur zum Schämen

Gert Korentschnig | über die Flüchtlingstragödien

Auf Ebene der EU-Staaten ist man seit Jahren uneinig, wie man mit der Flüchtlingskrise umgehen soll. Auf nationaler Ebene versuchen sich Parteien auf dem Rücken hilfesuchender Menschen zu profilieren. Auf medialer Ebene brechen Dämme, und Zeitungen versuchen mit Pseudo-Argumenten zu begründen, warum sie zur Quotensteigerung schamlos Bilder des Schreckens veröffentlichen. Und auf sozial-medialer Ebene wird man mit vielen Kommentaren konfrontiert, die geschmacklos oder abgründig dumm sind.

Es ist zum Schämen, was sich rund um das wichtigste Thema unserer Tage teilweise abspielt. Dabei gibt es ein einziges Ziel, hinter dem aus humanitären Gründen eigentlich jeder stehen müsste: Helfen mit allem, womit man helfen kann. Mit Sondermaßnahmen, Sonderprogrammen, Sondergeldern. Und zwar dringend.

Warum Menschen zu Flüchtlingen werden, das hat Antonia Rados im KURIER beschrieben. Die Ströme der Völkerwanderung werden jedenfalls nicht abreißen. Ja, es braucht Kontrollen. Es braucht strenges Vorgehen gegen die Schlepper-Mafia, die Menschen zur Ware degradiert. Vor allem braucht es weltweit Solidarität statt Häme oder heimliche Genugtuung, dass Europa überrannt wird.

Der Präsident des Auschwitz-Komitees, Roman Kent (86), sagte zu Jugendlichen: "Manche Brandattacken und Überfälle erinnern mich an die Pogrome, bei denen wir um unser Leben gezittert haben." Er sprach von Vorfällen in Deutschland. Aber allein das Hin- und Herschieben von Flüchtlingen, das Errichten von (mentalen und realen) Zäunen weckt immer öfter Assoziationen an die schlimmste Zeit des 20. Jahrhunderts, als viele Grenzen dicht gemacht wurden. Jetzt muss schleunigst etwas passieren, sonst wird sich die westliche Welt noch in Jahrzehnten genieren müssen, weggeschaut zu haben.

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