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14.04.2017

Einen Schritt vor und zwei zurück

Trump will mit Hauruck-Außenpolitik Stärke zeigen, stärkt aber damit vor allem die Gegenspieler der USA.

Trump will mit Hauruck-Außenpolitik Stärke zeigen, stärkt aber damit vor allem die Gegenspieler der USA

Mag. Konrad Kramar | über Trumps Außenpolitik

Donald Trumps einnehmende Art, Hände zu schütteln, mit der er seine Gesprächspartner förmlich an sich zieht, ist inzwischen ausführlich parodiert. Doch in der tollpatschigen Geste steckt das ganze Wesen der Außenpolitik des Präsidenten, und die hat er gerade in den letzten Tagen eindringlich demonstriert. Da wurde Xi Jinping, Präsident exakt jenes Landes, das zuvor noch zum Inbegriff des Bösen erklärt worden war, plötzlich mehr als herzlich zur Brust genommen. Währungsmanipulation und Handelskrieg, alles kein Thema mehr! Und zum Nachtisch in Trumps Golfresort Mar-a-Lago bekam Chinas Präsident – im wahrsten Sinn des Wortes – den Luftangriff auf Syrien aufgetischt.

Russland dagegen, das man noch kürzlich zum neuen Verbündeten erklärt hatte und ihm quasi Syriens Zukunft anvertrauen wollte, wird jetzt postwendend zum Feind erklärt und mit Ultimaten bedroht. Trump mag mit solcher Hauruck-Außenpolitik zu Hause bei seinen Fans sein Image des zupackenden Machers pflegen, auf der Weltbühne kommt er damit nicht weit. Sowohl in Moskau als auch in Peking sind routinierte Spitzendiplomaten am Werk – Profis, wie sie Trump in Washington gerade links liegen lässt und sich lieber auf seinen Schwiegersohn Jared Kushner verlässt. Doch Weltpolitik wirkt eben nur in der Verkürzung von Twitter-Meldungen und Boulevard-Medien wie ein rustikaler Schlagabtausch männlicher Alphatiere. Dahinter stehen ausgetüftelte Strategien, wie sie die Russen etwa auf dem Balkan und die Chinesen gegenüber Nordkorea verfolgen. Trump mit seinem offensichtlich fatalen Hang zu vorschnellen Entscheidungen wird an diesen Strategien scheitern.