Ein Wachhund fehlt

Die Lücke die Peter Pilz hinterließ, blieb unbesetzt. Sein Comeback könnte nicht nur seiner Liste gut tun.

Peter Pilz fehlt als Wachhund. Sein geplantes Comeback im Hohen Haus könnte nicht nur seiner Liste gut tun.

Josef Votzi | über Pilz' Rücktritt vom Rücktritt

Österreich tut sich allerorten schwer mit Veränderungen. Nach gut vier Jahrzehnten mit SPÖ-Kanzlern regiert im linksliberalen Lager auch drei Monate nach dem Machtwechsel der Katzenjammer. Eine auffällige Ausnahme bot jüngst die erste TV-Konfrontation zwischen Regierung und Opposition auf Puls 4: SPÖ-Chef Christian Kern, der bislang wie die Slimfit-Variante der beleidigten Leberwurst wirkte, hatte sich erstmals sichtlich in seiner neuen Rolle als Oppositionschef gefunden. Er zuckte nicht einmal mit der Wimper, als er von einem der neuen Hausherren im Kanzleramt, Gernot Blümel, demonstrativ als "Herr Klubobmann" angesprochen wurde und landete erfolgreich ein paar Treffer. Einmal mehr gute Figur machte auch Matthias Strolz.

Nicht vertreten war die dritte Oppositionspartei. Dort ist nach dem Rückzug von Peter Pilz nach wie vor keine Frontfigur auszumachen. Der Ex-Grüne will daher nach seiner Auszeit als Abgeordneter zurückzukehren. Peter Pilz polarisiert nach den Vorwürfen sexueller Belästigung mehr denn je, hat aber im Umgang damit Einsicht und Reife gezeigt. Sein Comeback könnte nicht nur seiner Liste guttun. Denn rund 220.000 Österreicher haben am 15. Oktober die Liste Pilz überwiegend deshalb gewählt, weil sie diesen weiter als " Wachhund" im Hohen Haus haben wollen.

Solange keine strafrechtlichen Vorwürfe vorliegen (und dafür gibt es null Hinweise), haben über seinen Rücktritt vom Rücktritt so am Ende auch nur seine Wähler zu befinden. Zur Normalität eines Machtwechsels gehört auch eine starke und penibel kontrollierende Opposition. Die Lücke, die der U-Ausschuss-Profi hier hinterlassen hat, klafft weiter unbesetzt. Wenn Pilz also – trotz des erwartbaren Gegenwinds von Feind und (da und dort auch) Freund – sein Mandat wieder annimmt, kann das einer lebendigen Demokratie nur gut tun.

( kurier.at ) Erstellt am 12.01.2018