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30.11.2016

Wer fürchtet sich vorm globalen Markt

Die Globalisierung kann man weder abwählen noch per Volksentscheid rückgängig machen.

Hermann Sileitsch-Parzer | über die diffuse Angst vor der Globalisierung

Danke, liebe Bertelsmann-Stiftung: Jetzt wissen wir also, wen Menschen wählen, die Angst vor Globalisierung haben. Wir wissen nur leider nicht, was diese Menschen darunter verstehen. Der Begriff wird nämlich für ein diffuses Bündel an Sorgen verwendet, die jede für sich berechtigt sein mag. Angst vor Abstieg und Jobverlust, Zuwanderung, Terrorismus oder der digitalen Revolution: All das wird als Globalisierung zusammengefasst.

Ist es nicht egal, wie man das nennt? Nein. Weil diese Unschärfe ganz konkrete wirtschaftspolitische Folgen hat. Siehe "Brexit": Eigentlich wollten die meisten Briten über weniger Zuwanderer abstimmen. Bekommen haben sie den EU-Austritt samt Politchaos, höheren Preisen und ungewissen Zukunftsaussichten.

Die Globalisierung kann man weder abwählen noch per Volksentscheid rückgängig machen. Sie ist Alltag. Stellen Sie sich den Erdball als eine riesengroße Fabrikhalle vor, das kommt der Realität recht nahe. Die Teile für Apples iPhone 6 stammen von 785 Zulieferfirmen aus 31 Ländern (inklusive Österreich). Selbst ein simpler Tennisball beinhaltet Rohstoffe aus 11 Ländern. Die Erdbeeren im Winter, das T-Shirt um einen Euro. Brauchen wir das alles? Das müssen wir uns als Konsumenten fragen, ich würde vermuten: Nein. Natürlich gibt es Auswüchse.

Das ist aber kein Argument für Handelsschranken, Abschottung oder gar einen EU-Austritt. Das würde uns alle nur ärmer machen. Mit freiem Handel und dank Exporten ist Österreich das viertreichste Land in Europa geworden. Ganz falsch kann das also nicht gewesen sein.