Meinung | Kolumnen | über LEBEN
25.11.2017

"Oje"

Wie man den Winter (vielleicht) überlebt.

Es ist kalt, die Schuhe drücken, sie will Schnaps und Karibik!

Guido Tartarotti | über den Advent (und Skifahen auch)

Die Weihnachtszeit beginnt bei uns zuhause, wenn der Bär kommt.

Für mich ist der Winter ja in erster Linie eine Zeit, die es zu überleben gilt. Er besteht in meiner Wahrnehmung ausschließlich aus der Abwesenheit von etwas: von Wärme, Sonne, Licht, Freude, Hoffnung, Bier am Ziegelteich. Zwei Dinge aber gibt es, die mir die Illusion geben, der Winter sei doch erträglich: Skifahren und Weihnachten.

An guten Tagen kommt Skifahren meiner Vorstellung von Zufriedenheit relativ nahe. Mit den Worten des großen Philosophen W. Ambros ausgedrückt: Und wann der Schnee staubt/und wann die Sunn scheint/ dann hab i ollas Glick in mia vereint. Leider irrt Ambros schon zwei Zeilen später (a jeder is glicklich/a jeder füht se woi): Meine Freundin ist weder glücklich noch fühlt sie sich wohl. Sie hasst Skifahren. Tut sie es, mir zuliebe, doch, dann flucht sie ohne Unterbrechung. Nähert sich ihr ein anderer Fahrer auf zehn Meter oder weniger, dann brüllt sie „Der hat mich geschnitten! Der hat mich gerammt! Der will mich umbringen!“ Danach hält sie einen Vortrag, dass ihr kalt ist, dass die Schuhe drücken, dass sie SOFORT eine warme Hütte will und einen Schnaps und einen Urlaub in der Karibik ...

Eines Tages standen meine Tochter und ich auf der Piste und warteten auf meine Freundin. Als wir sahen, dass sie tatsächlich beinahe von einem Snowboarder gerammt wurde, wussten wir, dass wir diesen Vorfall noch zu bereuen haben würden, und meine Tochter sagte sehr trocken nur ein einziges Wort: „Oje.“

Mit meiner Freundin kann ich also als Begleiterin beim Skifahren nicht mehr rechnen, und mit meiner Tochter auch nicht, denn sie ist schon 16. (Und von meinen beiden besten Freunden fährt der eine nie Ski und der andere ist mit einer Ski-Weltmeisterin zusammen und fährt sicher nicht mit mir.)

Also bleibt, um den Winter zu überstehen, nur Weihnachten, daher hole ich den Leuchtbären aus dem Keller, und davon erzähle ich Ihnen nächste Woche, wenn Sie möchten.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 2. Dezember im Theater am Alsergrund und am 9. Jänner 2018 im Orpheum Wien zu sehen.