Belauchtigtes Tanzfläches

Autentic Sohlenschläge: Bleibst du wild - oder lässt du dich zähmen?

Sohlenschläge, aber autentic.

Guido Tartarotti | über Tanzen oder so ähnlich.

Dieser Tage wurde Willi Resetarits in den „Seitenblicken“ gefragt, ob er ein guter Tänzer sei. Seine Antwort: „Wie der Artmann in seinem poetischen Manifest geschrieben hat, kann man ein Poet sein, ohne ein einziges Wort geschrieben zu haben. So postuliere ich für mich, dass ich ein begnadeter Tänzer bin, der aber keinen einzigen Tanzschritt machen muss, weil er in sich den Tanz hat. Allein wie ich schreite, hat etwas Tänzerisches. Danke.“

Diese Einstellung habe ich mit Resetarits gemeinsam. Als ich noch jung und arrogant war, also bis etwa voriges Jahr, pflegte ich zu sagen: Ich muss nicht tanzen, denn ich tanze beim Denken. Rechnet man besoffenes Herumhopsen zu KISS, Van Halen und Alice Cooper in der Freiluftdisco in Griechenland und eng umschlungenes rhythmisches Herumstehen zu irgendwelchen Schmalzballaden nicht zu den Tänzen, dann habe ich tatsächlich noch nie im Leben getanzt. Übrigens auch nicht bei meiner Hochzeit, da habe ich lieber mit der Band Gitarre gespielt.

Als ich 16 war, ging mein bester Freund in die Tanzschule und fragte mich, ob ich ihn nicht begleiten wolle. Ich fragte ihn, was man in einer Tanzschule so mache. Er sagte, Anzug und weiße Handschuhe tragen, Konversation und Verbeugungen und Handküsse üben und vorgegebene Schrittfolgen lernen, und ich beschloss spontan, dass mich nichts davon interessierte. Tanzschule oder nicht, das war damals eine Frage der Lebenseinstellung: Lässt du dich zähmen – oder bleibst du wild?

Jetzt schickte mir ein netter Leser einen Aushangtext, den er in einem Lokal in Spanien gesehen hatte. Ein Flamenco-Abend wurde dort, in deutscher Übersetzung, so angekündigt: „Autentic Sohlenschlag auf belauchtiges Tanzfläches“. Da habe ich vielleicht zum ersten Mal im Leben bedauert, nicht tanzen zu können – einen Sohlenschlag auf einer belauchtiges Tanzfläches hinzulegen, das muss ein tolles Gefühl sein, so autentic wie möglich.

Guido Tartarottis Kabarettprogramm "Selbstbetrug für Fortgeschrittene" ist am 11. September im Kabarett Niedermair zu sehen, am 27. September im Theater am Alsergrund, am 29. September in der Bühne im Hof in St. Pölten und am 5. Oktober in der Stadtgalerie Mödling.

( kurier.at ) Erstellt am 22.07.2017