über Toni Fritsch
07/10/2015

Zwischen Texas und Petronell

von Wolfgang Winheim

Die Hütteldorfer Pfarrwiese (= der alte Rapid-Platz) wurde ihm oft zu schmal, wenn er von einem Eckfahn’l zum anderen flankte.

Wolfgang Winheim | über Toni Fritsch

Rundherum Grabsteine aus Marmor, dazwischen ein schlichtes Holzkreuz, dessen knappe Inschrift an einen der ungewöhnlichsten Sportler erinnert: Toni Fritsch 1945–2005. Am 10. 7. wäre er 70 Jahre alt geworden.

Kurz vor dem Champions-League-Spiel Rapid gegen Bayern, für das sich Fritsch eine Karte von seinem Ex-Klub besorgt hatte, hörte im Herbst 2005 mitten auf der Straße sein Herz zu schlagen auf.

Das Grab befindet sich in Tonis Heimatort Petronell. Dort hieß es, er hätte den Ball sogar bis über die Donau dreschen können. Das war zwar ein bisserl übertrieben, tatsächlich aber zeichnete Fritsch sagenhafte Schusskraft aus. Die Hütteldorfer Pfarrwiese (= der alte Rapid-Platz) wurde ihm oft zu schmal, wenn er von einem Eckfahn’l zum anderen flankte.

Wembley-Toni riefen sie ihn, nachdem er 1965 in London zwei Tore zu Österreichs 3:2-Sieg über England beigesteuert hatte. Neun Jahre danach wurde er zum Texas-Toni umgetauft – Fritsch gewann mit den Dallas Cowboys den Super Bowl. Und US-Reporter schrieben sich, weil Little Toni als Freekicker die Schusstechnik revolutionierte, in ganzseitigen Lobeshymnen die Finger wund.

Die Fritsch-Story schien wie geschaffen für den US-Boulevard. Im positiven wie später auch im negativen Sinn.

Toni hatte sein Eltern bei einem Autounfall verloren. Als Waisenkind nächtigte er bei Rapid oft auf der Massagebank in Hütteldorf, wenn nach dem Training keine Öffis mehr Richtung Petronell verkehrten.

Obwohl mit Rapid drei Mal Meister, brachte es Fritsch in der von Größen à la Rudi Flögel, Johnny Bjerregaard, Walter Skocik, Günter Kaltenbrunner dominierten Hierarchie nie zum Führungsspieler. Ein Umstand, der ihm den Entschluss zum völlig ungewöhnlichen Wechsel in die USA und in eine andere Sportart erleichterte. Ein windiger Manager namens Bob Kap verdiente sich mit ihm ein goldenes Näschen.

Der zwischenzeitliche Absturz erfolgte wegen eines Autounfalls. Ein US-Gericht verurteilte Fritsch ob seiner Prominenz dazu, jede Woche in Schulen zu referieren und die Gefahren von Alkoholismus anzuprangern. Ein wahrer Prediger, der religiöse Box-Champion George Foreman, wurde daraufhin zu einem seiner besten Freunden.

Hierzulande hielten ihn (zumal der ORF nie live dabei war) manche für einen Münchhausen. So wie der kleine Toni, der seine Oberschenkel mit Gewichten stählte, während Europas Starkicker um Kraftkammerln noch einen Bogen machten, wurde das gesamte US-Spiel mit dem Eierlaberl belächelt. Dabei zählte selbst der damalige US-Präsident Gerald Ford zu Fritschs Bewunderern.

Unvergessen wird mir bleiben, wie ich bei einem ausverkauften Spiel im Texas-Stadion hinter der Betreuerbank (heute würde man mich dafür sofort verhaften) der Cowboys stehen durfte und sich Fritsch zu mir umdrehte mit den Worten:

"Pass auf. Jetzt muss i glei aufs Feld. Und dann hau’ ich’s ihnen wieder eini, die Blunzn."

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