über Ski-Nachwuchs
12/07/2014

Wo selbst Milliardären die Luft wegbleibt

von Wolfgang Winheim

Hinter Matt, Raich und Herbst, die nach der WM-Saison abtreten werden, plus Hirscher, klafft eine große Lücke

Wolfgang Winheim | über Ski-Nachwuchs

Hans Pum stand schon im ÖSV-Sold, als noch keiner aus der heutigen Rennläufergeneration auf der Welt war und am WM-Schauplatz Beaver Creek kein einziges Haus stand. Seinen 60.Geburtstag verbrachte der Sportdirektor heuer im Sommer meditierend bei Mönchen in Tibet. Auf Ski-Niederlagen hat Pum allerdings schon 1992 gelassen reagiert, als die ÖSV-Abfahrer ohne jegliches Erfolgserlebnis zu Olympia kamen, ehe sie dort Gold (Patrick Ortlieb) und Bronze (Günter Mader) eroberten.

Dass Pum aktuell nach der zweiten Abfahrtspleite am 5.12. nicht den Krampus spielte, war somit wenig überraschend. Weil er zudem a) ahnte, dass Hannes Reichelt im Super-G zurückschlagen würde. Und er b) als oftmaliger Augenzeuge schwerer Unfälle mit Worten wie Drama und Tragödie vorsichtig umzugehen weiß.

Einer Katastrophe für die Industrie käme indes ein vorweihnachtliches Ausbleiben des Winters gleich. Zumal die Ski-Nachfrage am Weltmarkt von einst neun auf jährlich drei Millionen Paar gesunken ist. Inzwischen sind die Sorgen noch größer geworden.

Weil sogar im 1850 Meter hoch gelegenen Val d’Isère den Schneekanonen der Frost fehlt, mussten die nächsten Rennen bereits nach Schweden verlegt werden, was für den Weltcup gewaltige logistische Probleme und Stress bedeuten. Marcel Hirscher droht schon in Colorado ein Rennen nach dem Rennen. Um rechtzeitig Denver und die United-Maschine (Abflug 17.35 Uhr) zu erreichen, wird er die Highway Police austricksen müssen.

120 Meilen inklusive Eisenhower-Pass liegen zwischen Denver und Beaver Creek. Der Retorten-Skiort ist der höchste im Weltcup (Ziel in 2600 Meter). Viele Rennläufer bedienen sich (im Gegensatz zu Hirscher) Sauerstoffflaschen. Europäern blieb schon bei der WM ’99, auch wegen den Preisen, die Luft weg. Im einem Hotel, das einmal Frank Stronach besaß, reicht mittlerweile ein Reporter-Gehalt gerade zu einer einzigen Nächtigung.

Rolltreppen führen zur Piste. Auf dem Kunsteislaufplatz drehen Milliardärstöchter Pirouetten. WM-Mitarbeiter aber tragen in Dollar-City nicht die Nase hoch. Sie luden den Generalsekretär der Schladminger WM, Reinhold Zitz, ein, um sich dessen Know-hows zu bedienen.

Die WM 2013 erwies sich für den ÖSV als Gewinn. Die Milliönchen (Höhe geheim) werden in den Nachwuchs investiert. Was speziell im Herren-Slalom dringend notwendig ist: Hinter Mario Matt, Benjamin Raich, Reinfried Herbst, die nach der WM-Saison abtreten werden, plus Hirscher, klafft eine große Lücke. Die kann nicht einmal Beschwichtigungshofrat P. bestreiten.

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