über Cristiano Ronaldo
06/20/2016

Vorurteile

von Wolfgang Winheim

Er mag ein eingebildeter Gockel sein. Aber einer mit Herz.

Wolfgang Winheim | über Cristiano Ronaldo

Ehe nur noch über Österreichs nächstes Pariser Endspiel geredet wird, ist’s angebracht, Vorurteile zu entkräften.

Reizthema Cristiano Ronaldo: Der beste oder zumindest schönste Fußballer der Welt mag ein eingebildeter Gockel sein. Aber er ist einer mit Herz. Das hat der Portugiese heuer schon bewiesen, als er von einem beinamputierten burgenländischen Landesliga-Fußballer erfuhr und daraufhin dem vom Schicksal so Heimgesuchten über den österreichischen Botschafter in Madrid spontan ein handsigniertes Real-Madrid-Trikot zukommen ließ. Auch am Samstag, als nach dem Abpfiff ein Fan verbotenerweise zu CR7 aufs Feld gelangte, reagierte Ronaldo sympathisch ungewöhnlich. Jeder andere Star hätte wohl allein schon aus Frust über den vergebenen Elfer den um ein Selfie bettelnden Mann von den Ordnern abführen lassen. Cristiano Ronaldo aber bremste Letztere ein. Sogar dann, als das Smartphone des Fans streikte. Geduldig stand der verschwitzte Ronaldo Pose, bis das Fotografieren beim x-ten Versuch endlich funktionierte.

Reizthema Fußball-Deutsche: Während hierzulande gefühlte 70 Prozent (die 170.000 in Österreich lebenden Deutschen ausgenommen) auf Patzer der Weltmeister hoffen, ist in den ARD-Übertragungen nichts von einer Aversion gegenüber österreichischem Kick zu merken. Im Gegenteil: Der deutsche Kommentator Gerd Gottlob sprach – von einer "unglaublichen kämpferischen Leistung" schwärmend – sogar wohlwollender über das ÖFB-Team als sein ORF-Kollege. Ex-Europameister Mehmet Scholl schloss sich als ARD-Analytiker der positiven Meinung an und kritisierte nur den vorzeitigen Abgang von David Alaba, den er, Scholl, in einer anderen Rolle hätte weiterspielen lassen. Dazu soll man wissen: Mehmet Scholl hatte als Bayern-II-Coach sowohl Alaba als später auch Alessandro Schöpf trainiert.

Kurz vor Übertragungsschluss erfuhr der "Herbert Prohaska der ARD", dass die Ordner dem Ronaldo-Fan, sobald sie mit ihm aus dem Schwenkbereich der Kameras gelangt waren, das Handy brutal abgenommen hatten. Scholl missfiel diese Nachricht mehr noch als Alabas Austausch. Securitys fehlt offensichtlich europaweit das G’spür, um zwischen harmlosen und gewaltbereiten Fans zu unterscheiden. Oder ist auch das nur ein Vorurteil?

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