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31.12.2017

Im neuen Jahr geht’s rund

Österreichische Sportstars von einst und jetzt werden viel zu feiern haben.

Wolfgang Winheim | über das bevorstehende Sportjahr

So manche werden im neuen Jahr nicht nur nach dem Silvester einen Kater haben. Weil 2018 für viele österreichische Sportgrößen ein rundes Ereignis ansteht.

30

Den Anfang macht Julian Baumgartlinger. Der Fußball-Teamkapitän und Leverkusen-Legionär feiert am zweiten Tag des neuen Jahres den 30. Geburtstag. Der Salzburger Lehrersohn ist kein Torjäger, aber als Leaderfigur ein Volltreffer. Und Vorbild für Debütanten wie Ajax-Amsterdam-Legionär Max Wöber, der dem SK Rapid zum höchsten Transfererlös der 118-jährigen Klubgeschichte (= 7,5 Millionen Euro) verhalf und am 4. Februar erst 20 wird, sicherlich bestätigen kann.

40

wird Benjamin Raich am 28. Februar. Das schönste Geschenk bescherte ihm seine Frau schon acht Monate zuvor, als die Ex-Slalomqueen Marlies Schild den Doppelolympiasieger zum zweiten Mal zum Vater eines Buben machte. Auf Josef folgte Jakob.

50

wird am 18. Mai Thomas Sykora, dem man den bevorstehenden halben Hunderter speziell bei seinen Slalomschwüngen als ORF-Kamerafahrer niemals anmerkt. Mit einer um ein Viertel-Jahr "langsameren Zwischenzeit" folgen am 9. 9 bzw. 10. 9. die Jungfrauen Hans Peter Steinacher (zwei Mal Segel-Olympia-Gold) und Fußball-Rekordnationalspieler Andreas Herzog. Letzterem ist zu gönnen, dass die mediale Würdigung seines Fünfzigers nicht anonyme Poster veranlasst, um aus ihren Online-Löchern zu kriechen – so wie das im Herbst der Fall war, als Herzog weit unter der Gürtellinie attackiert wurde, nur weil er als Teamchefkandidat galt.

60

wird als Erster von einem bis heute einzigartigen Ski-Jahrgang der ehemalige Abfahrts-Weltmeister Harti Weirather. Er gilt auch im Feiern als Champion. Vor allem dann, wenn er für hochkarätige Sponsoren Nobelpartys organisiert – wie das der Vermarktungsprofi diesmal vier Tage vor seinem eigenen Geburtstagsfest (25. Jänner) anlässlich des Kitzbüheler Hahnenkammrennens tut.

Abfahrts-Olympiasieger Leonhard Stock (Lake Placid 1980) wird am 14. März , der zum Intellektuellen gewordene Skisprung-Olympiasieger Toni Innauer am 1. April 60 Jahre alt. Und Innauers einstige Sitznachbarin im Stamser Skigymnasium, die Olympia-Vierte 1976 und aktuelle "Aufdeckerin" Nicola Werdenigg-Spieß wird am 29.Juli von der #metoo-Bewegung sicher besonders oft gratuliert werden. Der Olympia-Silberne Peter Wirnsberger (13. 9.) sowie die Olympia-Bronzenen Hans Enn (10. Mai) (und Anton Steiner (20. 9.) und Ex-Slalomweltmeisterin Lea Sölkner-Schramek (24. 12.) sind ein weiterer Beweis, dass es sich bei den 58ern um eine Goldene Generation gehandelt hat.

Auch der Sommer-Olympia-Zweite Wolfgang Mayrhofer (24. 5.) wird 60. Der heutige Uni-Professor hatte 1980 Silber ersegelt und sich danach nicht mit dem Wind gedreht, sondern während der Siegerehrung auf sowjetischem Boden mutig gegen die sowjetische Invasion Afghanistans protestiert.

70

wird am 27. April Josef Hickersberger. Der fünffache Opa will im Zusammenhang mit Cordoba nicht mehr erwähnt werden, "weil man sich heute schon dafür entschuldigen muss, dass man damals beim 3:2 mitgespielt hat". Dass Hickersberger der letzte Teamchef war, unter dessen Regie Österreich ein WM-Spiel (1990 2:1 gegen die USA) gewann, hört und liest er vergleichsweise lieber.

Am 19. Juni seinen 70er feiern wird Erik Schinegger, der 1966 die WM-Damen-Abfahrt gewann und 1968 zum Mann mutierte. Als Erik wurde er danach von einer zur damaligen Zeit für Outings noch nicht reifen Gesellschaft mehr ignoriert als respektiert.

80

wird am 22. 2. mit Willi Huberts der erste Österreicher, der in der deutschen Bundesliga (Frankfurt) kicken durfte – und am 22. 5. mit Hans Buzek ein einstiges Vienna-Talent, das schon mit 17 im Nationalteam stürmte. Und zu dessen Bewunderern sogar Karl Schranz zählte. Der Ski-Skorpion vom Arlberg wird ab 18. November den 80-er-Klub verstärken. Schranz hatte auf fast allen Pisten gesiegt. Weltweites Echo aber löste erst dessen Olympia-Ausschluss (wegen verbotener Werbung bei einem Juxkickerl) 1972 im japanischen Sapporo aus. Seine drei Töchter schütteln den Kopf, wenn sie Archivaufnahmen vom Februar 1972 sehen, wie ihr Vater auf dem Heldenplatz von hundertausenden Wienern wie ein Märtyrer gefeiert wurde.

Ein verdienstvoller 80-er der anderen sportlichen Art lädt schon am 4. Jänner zur Feier. ORF-Reporterlegende Sigi Bergmann hat es trotz schwerer Zuckerkrankheit mit eiserner Disziplin geschafft, noch im hohen Alter hinterm Mikrofon aktiv und für Sportstars guter Freund plus Helfer und zugleich deren Kritiker zu bleiben. Ein Spagat, der dem Retter von Boxidol Hans Orsolics heute den Vorwurf der Unvereinbarkeit eintragen würde. Doch wenn’s gratis was zu trinken gibt, werden auch Obermoralisten zu Doktor Sigis 80-er-Fest erscheinen.