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01.03.2015

Wenn das Geld zum Himmel stinkt

Im Fußball ist es umgekehrt. Da rollt der Rubel von Ost nach West.

Wolfgang Winheim | über Geldgeber im Sport

Nebel erzwang Rennabsagen in Bansko, wo auch sonst manches undurchschaubar ist. Die Hauptstraße, in deren Pubs britische Gäste Premiere-League schauen, ähnelt einem US-Skiort. Wer sich in Seitengassen verirrt, fühlt sich wie nach Bratislava 1960 rückversetzt. Tausend Meter höher ertönt alpenländisches Humtata. Und die Hütten, in denen schick gekleidete Ski-Gäste schunkeln, vermitteln Flair wie im Zillertal.

Gastiert der Weltcup in Bansko, dann wird Alberto Tomba, der bekanntlich nichts zum Nulltarif macht, eingeflogen. Dann wird den Siegern (u. a. Mario Matt und Marcel Hirscher) ein Appartement geschenkt, dann staunen Älpler über selektive Pisten. Eine davon trägt den Namen von Marc Girardelli. Wie der fünffache Weltcupgesamtsieger hat auch Kilian Albrecht in Bansko Pionierarbeit geleistet und dafür im Finish seiner Slalomkarriere sogar die bulgarische Staatsbürgerschaft angenommen.

Aktuell managt er nicht nur die US-Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin. Albrecht verhilft auch Ostskifahrern zu Sponsoren. Dank ihm macht der russische Weltklasse-Carver Alexander Choroschilow für Sölden Helm-Reklame.

Im Fußball ist es umgekehrt. Da rollt der Rubel von Ost nach West. Da lässt sich nicht nur Schalke, sondern auch die UEFA samt ihrer Champions League ungeachtet politischer Gegensätze von der russischen Gazprom verwöhnen.

Dass die Sponsoren-Erträge von Europas Top-Ligen um 20 Prozent wuchsen, ist vor allem dem Nahen Osten zu verdanken. Ein Viertel der insgesamt 687 Millionen stammt bereits aus den Emiraten und Katar. Allein dem FC Barcelona werden 40 Millionen jährlich aus Doha überwiesen, damit Messi und Co Trikots mit dem Logo der Qatar Airways herumlaufen.

Auch ehemalige asiatische Sowjetrepubliken vermitteln den Eindruck, als spiele Geld – zumindest im Sport – keine Rolle. So schmiert Aserbaidschan Atletico Madrid. So finanziert Kasachstan ein Profi–Radteam und für 2022 strebt man die Olympischen Winterspiele in Almaty an. Ebendort war der Tiroler Christoph Westerthaler (jetzt Coach bei Zweitligisten Horn) im Frühjahr 2007 zwei Monate Teamchef der kasachischen Unter-21-Auswahl, als man ihm riet, so rasch wie möglich ins nächste Flugzeug zu steigen, um Almaty auf Nimmerwiedersehen zu verlassen.

Westerthaler hatte sich in Wien auf Vermittlung des ehemaligen Nationalbank- und Vienna-Präsidenten Adolf Wala zwei Mal mit Botschafter Rakhat Aliyev im Café Landtmann getroffen und dann optimistisch den Job angetreten, zumal Aliyev auch Kasachstans Fußball-Präsident gewesen war. Jener Mann, der soeben tot in einer Wiener Gefängniszelle aufgefunden wurde.

Westerthaler hat damals nicht gewusst, dass sich sein Chef mit Staatspräsident Nursultan Nasarbajew folgenschwer überworfen hatte. Geschweige denn erahnen können, wie A. einmal enden sollte.

Die Nebel haben sich bis heute nicht gelichtet.