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30.07.2017

Grüne Karte für die Damen, Dunkelrote für Menschenhändler

Menschenhändler alias Manager kassieren bei Transfers höhere Beträge als im letzten Jahrtausend die Topstars

Wolfgang Winheim | über absurde Transfersummen

Als die Grünen Frauen Wien im ultimativen Ton für Damenfußball eine Berichterstattung in gleicher Größe wie jene über Männer verlangten, wurden sie von der Medienbranche nicht einmal ignoriert.

Vier Jahre später geht diese Forderung zumindest für zwei Wochen in Erfüllung. Mehr noch: Nina Burger, Laura Feiersinger und EM-Mitstreiterinnen werden den Herren Stars per ganzseitigen Huldigungen als Vorbild hingestellt.

Dass die EM-Viertelfinalistinnen für Peanuts ihre durchtrainierten Waden mutig hinhalten, erhöht noch ihre Sympathiewerte, während am Männer-Markt Transfersummen und Gehälter immer obszöner werden. Selbst Marko Arnautovic, dessen Wechsel von Stoke City nach London dem neuen Arbeitgeber West Ham 27 Millionen Euro wert war, findet die Beträge schon absurd. Aber er wäre dumm, würde er die 111.750 Euro wöchentlich nicht nehmen.

Dabei zählt Österreichs teuerster Fußball-Export im internationalen Gagenranking gar nicht zu den Top 50, werden doch gerade in England für Spieler, die hierzulande bestenfalls Insidern ein Begriff sind, noch zehn bis zwanzig Millionen mehr verlangt. Und auch gezahlt.

Niemand darf sich wundern, wenn kaum über Volksschulbildung verfügende Balltalente Ruhm und Geld nicht verkraften können. Und wenn Kritiklust und Frust beim Fußball-Konsumenten, der jeden Cent umdrehen muss, bis hin zur Aggression steigen.

Mittlerweile kassieren Menschenhändler alias Manager bei Transfers höhere Beträge als im letzten Jahrtausend die Topstars. Und mittlerweile ließen sich mit dem Stundenlohn eines einzigen afrikanischen Legionärs in dessen Herkunftsland ganze Dörfer vorm Verhungern retten.

Sollte Real für 200 Millionen (kein Druckfehler) den 18-jährigen Kylian Mbappé tatsächlich von Monaco nach Madrid lotsen, werden Pseudo-Moralisten bis hin zu Steuersünder und Startrainer José Mourinho mahnend den Zeigefinger erheben. Aber danach wird der Rekordtransfer speziell Engländer und Chinesen erst recht zum Millionenpoker provozieren.

Österreichs Liga befindet sich in ohnmächtiger Zuschauerrolle, ist schuldlos an der perversen Entwicklung.

Selbst Rapid und Austria zahlen – ein paar Leistungsträger ausgenommen – höchstens Gagen wie sie in der zweiten oder gar dritten englischen und deutschen Liga üblich sind. Ein Mitlizitieren wäre verantwortungslos. Weshalb sich die Traditions- nur als Ausbildungsklubs mit dem eigenen Nachwuchs profilieren können. Obwohl Rapid nach wie vor eine Fußball-Akademie fehlt, die diese Bezeichnung verdient.

Auch verfügt Österreichs populärster Klub, dem mit den First-Green-Ladies der einzig ausschließlich weibliche Fanklub enthusiastisch treu die Daumen drückt, über kein kickendes grün-weißes Damen-Team. Was wiederum die (politisch) grünen Frauen Wiens rot sehen lassen könnt’.