Tiroler Ski-Zampano irritiert einen Wiener Rathausmann

In Vorwahlzeiten scheint alles möglich.

Wolfgang Winheim | über den Ski-Weltcup in Wien

Skisport und die Wiener Philharmoniker – das passt noch besser zusammen als Lindsey Vonn und Tiger Woods.“ Peter Schröcksnadel

Nachdem sich Hermann Maier schon beim Flachauer Damen-Slalom nicht hatte blicken lassen, blieb der Flachauer auch dem Kitzbüheler Trubel fern. Aber er ist selbst in Abwesenheit stets ein Thema. Und seine – einst auch belächelten – Trainingsmethoden werden mittlerweile längst von der Weltspitze kopiert.

1998 hatte Maier seinen Ergometer auch zu Olympia nach Japan mitgeschleppt. Am Samstag saßen Kjetil Jansrud und Kollegen radelnd im Starthaus, während ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel die Renn-Verschiebungen nützte, um am Mikrofon das ORF-Publikum mit seiner Lieblingsidee zu konfrontieren.

Der Tiroler träumt nach wie vor von einem Ski-Weltcup in Wien. Termin: 1.1.2016.

Schröcksnadels Lieblingsidee gilt dem Schauplatz Schönbrunn. Dort müsste eine Riesenrampe nach Vorbild Moskau (wo sowohl Felix Neureuther als auch Marcel Hirscher schon einmal gewonnen haben) aufgebaut werden. Allerdings wäre vor der Gloriette maximal ein Parallelbewerb möglich. So wie 1986, als auf der Hohe-Wand-Wiese an der westlichen Wiener Stadtgrenze gefahren wurde. Und sogar Ingemar Stenmark teilnahm.

Damals wurde das Wien-Rennen vom ÖSV (bei dem Schröcksnadel zu dieser Zeit noch keine bedeutende Rolle spielte) nicht sehr begrüßt. Man fühlte sich in Tirol übergangen, zumal der legendäre Weltcup-Präsident und -Gründer Serge Lang (der Elsässer hatte 1966 die Einführung des Weltcups gemeinsam mit Toni Sailer und dem US-TV-Kommentator Bob Beattie auf der Kitzbüheler Seidlalm beschlossen) den direkten Weg zum damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk gesucht hatte.

Die Hohe-Wand-Wiese kommt in Anbetracht der engen Mauerbach-Straße, die keinen Individualverkehr bei Großveranstaltungen zuließe, nicht mehr infrage. Hingegen gibt es auch – psst, streng geheim – Überlegungen, einen Hang oberhalb von Grinzing (zwischen Cobenzl und Krapfenwaldbad) im Nobelbezirk Döbling skitauglich zu machen.

Dort wäre sogar ein Slalom in weltcupgerechter Länge möglich. Zudem könnte das Gelände anschließend auch den Wiener Kindern (so wie in den 1950er-Jahren) für deren erste Skiversuche zugute kommen. Im Schönbrunner Schlosspark hingegen ist für den Sport keinerlei Nachhaltigkeit gegeben.

Der für Kultur und auch für den Sport zuständige Stadtrat Christian Oxonitsch wird für die Ski-Ideen kaum zu begeistern sein. Er hat schon unmittelbar nach Schröcksnadels Kitzbüheler ORF-Auftritt via ORF Wien mit Befremden auf die Wien-Pläne des 73-jährigen Tirolers reagiert. Was Schröcksnadel wenig überraschen dürfte, hat er doch sicher schon von Präsidentenkollegen anderer Sportarten erfahren, dass der Sportstadtrat mit Sport nicht sonderlich viel am Hut hat. Doch gleichgültig, ob Grinzing oder Gloriette, ob sich ein Politiker übergangen fühlt oder nicht – für die Umsetzung des Ski-Projekts des VP-nahen Schröcksnadel werden ohnehin Bereitschaft plus Hilfe von Wiens SP-Bürgermeister Michael Häupl oberste Voraussetzung sein.

In Vorwahlzeiten scheint alles möglich. Zudem kann der ehemalige Super-G-Seniorenweltmeister Schröcksnadel auch Slalom fahren.

Erstellt am 24.01.2015