über Teamchef Kollers Stil
03/05/2014

Staubtrocken, aber professionell

von Wolfgang Winheim

Da kommt kein Boulevard-Journalist mehr auf seine Rechnung.

Wolfgang Winheim | über Teamchef Kollers Stil

Lei, Lei. Der Ländermatch-Schauplatz Klagenfurt glich in den letzten Tagen einem Treffen vom Fanklub "Gschwollene Leber". Oder anders: Viele Leut’ waren im Faschingsfinish ähnlich gut aufgelegt wie Österreichs Eishockeystars in Sotschi. Dass die dort ihr Ausscheiden schon vor dem 0:4 gegen Slowenien feierten, hat in Wahrheit außerhalb der Eishockey-Hochburg Kärnten gar keinen so heftigen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Nicht auszudenken, würden sich die – beim Volk unbeliebteren – Fußballer schon vor einem olympischen Entscheidungsspiel dem Frustsaufen hingeben. Doch der Vergleich ist hypothetisch. Durften doch Österreichs Kicker im Gegensatz zu den Hockeycracks seit 64 Jahren nicht mehr bei Olympia mitspielen.

Wer Marcel Kollers minutiöse Planung verfolgt, muss annehmen, dass es für ihn in jedem Testspiel schon um die WM-, EM- und Olympia-Qualifikation zugleich geht. Kein Kameramann darf länger als eine Viertelstunde beim Abschlusstraining zuschauen. Kein Reporter ist im Hotel erwünscht. Keinen Spielermanager will der Teamchef dort sehen. Kein Sponsortermin darf wahrgenommen werden.

Selbst Marko Arnautovic, der angeblich noch unter Kollers Vorgänger um 1 Uhr Nachts vor dem Belgien-Spiel den Pizza-Dienst aufs Hotelzimmer kommen ließ, verwandelt sich zum Ministranten, sobald er zum Nationalteam stößt. Und sollte der Eindruck täuschen, dann funktioniert die Nachrichtensperre.

Selbst die alpinen Skistars, die den schlimmen Kickern in Österreich seit Jahrzehnten so gern als Vorbild hingestellt werden, geben sich wesentlich lockerer. Auch in der Hahnenkamm-Woche wird so manches Bierchen konsumiert.

Beim ÖFB-Nationalteam hingegen geht’s, seit der Schweizer Koller befiehlt, staubtrocken zu wie selten zuvor. Man kann’s auch langweilig oder hoch professionell nennen. Da kommt kein Boulevard-Journalist mehr auf seine Rechnung. Da kommt kein Etagenkellner mehr zu viel Trink- oder Schweigegeld.

Unter Koller herrscht stets Fastenzeit. Nach dem Geschmack des emotionslosen Kärntner Publikums war das 1:1 am Aschermittwoch weder Fisch noch Fleisch.

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