über die Wahl der österreichischen Sportler des Jahres
10/30/2014

Eine Feier für die Besten

von Wolfgang Winheim

Die Ehrung soll nicht ohne den Geehrten stattfinden

Wolfgang Winheim | über die Wahl der österreichischen Sportler des Jahres

Im Jahresrhythmus fragen Kritiker, weshalb die Wahl der österreichischen Sportler des Jahres lange vor Jahresende erfolgt. Die Rechtfertigung: Die Ehrung soll nicht ohne den Geehrten stattfinden, zumal es sich alle Jahre wieder ab Mitte November um nicht mehr für Feiern abkömmliche Skisportler handelt.

Titelverteidigerin Anna Fenninger wird heute, Donnerstag, in Wien bei der Sport-Gala die Trophäe selbst in Empfang nehmen, nachdem ihr im Vorjahr Aufregung plus ein Virus dermaßen auf den Magen geschlagen hatten, dass sie hinter der Bühne bleiben musste.

Titelverteidiger David Alaba erhält vom FC Bayern erst gar keine Erlaubnis für einen Kurzausflug nach Wien. Der Fußball-Nationalspieler dürfte heuer von Marcel Hirscher von Platz 1 gekickt werden.

Im Gegensatz zu den Damen ist der Wahlausgang bei den Herren nicht so klar, obwohl Fenninger wie auch Hirscher die Favoritenposition mit einem beeindruckenden Sieg (= Riesenvorsprung im Riesenslalom) beim Weltcup-Auftakt mehr als gerechtfertigt haben. Beider Erfolge auf dem Gletscher konnten die 800 stimmberechtigten Mitglieder von Sports Media Austria nicht beeinflussen: Wahlschluss war schon vor Sölden. Das Wahlergebnis soll erstmals bis zur letzten Sekunde streng geheim bleiben, damit es der ORF als Erster verkünden kann. ORF-Sportchef Hans Peter Trost hat im Gegenzug eine Live-Übertragung zur Primetime durchgesetzt. Als Nachfolger von Journalisten-Doyen Michael Kuhn und somit neuer Sports-Media-Austria-Präsident ist Trost zugleich Mitorganisator und weiß: Die veranstaltende Sporthilfe ist auf die Hilfe des Fernsehens angewiesen.

Würde die Gala nicht zur Primetime gezeigt, dann wäre so manch eitler Sponsor und Konzernvertreter nicht wie erwünscht im Bilde, was wiederum die Spendierfreudigkeit erheblich reduzieren würde. Aktuell aber kann Sporthilfe-Boss Toni Schutti, der u.a. Stephan Eberharter und Maria Höfl-Riesch als Laudatoren einfliegen lässt, mit 110.000 Euro Gewinn rechnen.

Einquartiert werden die Olympiasiegerinnen und -sieger Fenninger, Julia Dujmovits (Snowboard), Mario Matt (Slalom), Matthias Mayer (Abfahrt) und Gesamtweltcupsieger Hirscher in Österreichs höchstem Hotel (58. Stock). Gefeiert wird im größten Konferenzzentrum des Landes mit 1500 Ehrengästen. Die großteils zum Nulltarif das heiße Buffet stürmen dürfen. Mehr ist nicht drinnen. So hat Schutti für sich und seine Sporthilfe vorsorglich 100 Exemplare des neuen Buches "Korruption hat im Sport keinen Platz" besorgt. Fußballbund und Skiverband bestellten für ihre Funktionäre je 400 Exemplare, die darüber aufklären, wo Gastfreundlichkeit endet und die Bestechung von Personen des öffentlichen Dienstes (zu denen auch ORF-Angestellte zählen) beginnt.

Ehe der Schreiber dieser Zeilen verdächtig wird, Schleichwerbung für das Buch zu betreiben, sei festgestellt: Die Autoren Eva Marek (Leiterin Oberstaatsanwaltschaft Wien), Günther Marek (Oberster Sicherheitsverantwortlicher bei der Heim-EM 2008) und Robert Jerabek (Justizministerium) verdienen keinen Euro.

Der Reinerlös fließt Berufsopfern in der Exekutive zu. Wie der Sport benötigt auch die Polizei mehr Freunde und Helfer als die Öffentlichkeit glaubt.

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