über Andreas Ogris
10/04/2014

Ein Typ mit Kanten

von Wolfgang Winheim

Rufe nach Typen mit Kanten und Ecken, nach unsensiblen Lausern à la Ogris, werden laut.

Wolfgang Winheim | über Andreas Ogris

Er hat Puppen und Gläser tanzen lassen und sich davor und danach beim Training wie kaum ein anderer überwinden können. Nein. Gemeint ist nicht Hermann Maier, sondern der Vertreter einer Sportart, in der Fehltritte schon aufgrund mangelnder Erfolge nicht so leicht verziehen werden.

Andreas Ogris wird am Dienstag 50 Jahre alt. Feiern wollen ihn Herbert Prohaska und seine Austria-Freunde schon (ab) heute.

Ein bissel runderneuert sieht der Ogerl aus vor seinem runden Geburtstag. Dass er ein Großer des heimischen Fußballs war, können sich jüngere Leut’ daher kaum vorstellen. Denen sei versichert: Ogris hatte unglaubliche Tore erzielt. Zum Beispiel bei der WM 1990 gegen die USA, als er von der Mittellinie weg den Amerikanern auf und davongesprintet war. Danach machte die Austria mit ihm das beste Leihgeschäft ihrer Klubgeschichte. Espanyol Barcelona überwies 12 Millionen Schilling (870.000 Euro) für "zehn Monate Ogris".

Ogris war extrem schnell. Und extrem schnell zornig. Beim Derby gegen Grüß-Weiß sah der Violette Rot. Umso mehr spricht es für den Austrianer, dass ihn heute Rapid-Legenden wie Hans Krankl und Ogerls einstiger Intim-Feind Dietmar Kühbauer schätzen wegen seiner ehrlichen Art. Ogris sagte selbst vor Mikrofonen stets, was er dachte. Das war nicht immer fein und imagefördernd. In den Verdacht, ein Intellektueller zu sein, geriet er nie.

Inzwischen trainiert der 63-fache Ex-Internationale die Jung-Veilchen, die Austria Amateure, in der Regionalliga Ost. Und inzwischen verfügen, wie die Spielervereinigung VdF soeben ermittelte, bereits 66,2 Prozent aller Bundesliga-Profis über Matura. Prompt heißt es, die seien zu brav.

Rufe nach Typen mit Kanten und Ecken, nach unsensiblen Lausern à la Ogris, werden laut. Der ließ sich tatsächlich nie verbiegen. Dem war (im Gegensatz zu Prohaska) stets egal, was die Leute dachten. Auch wusste er:

Solang Österreich nicht mit elf Akademikern Fußball-Weltmeister wird, ändert sich am Vorurteil über die proletoiden Kicker ohnehin nichts.

wolfgang.winheim@kurier.at

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