über einen Sieg und viele Pleiten
06/21/2015

Ein Goldtor und viele Bummerln

von Wolfgang Winheim

Das Nationalteam Spitze, der Breitenfußball in Österreich groteskenreicher denn je.

Wolfgang Winheim | über einen Sieg und viele Pleiten

Fünf Teamspieler nutzen ihre Ferien zum Weg vor den Traualtar. Marcel Koller tanzt nicht auf mehreren Hochzeiten: Er lässt Julian Baumgartlinger, Gyuri Garics, Marc Janko, Zlatko Junuzovic und Markus Suttner allein schon aus Diplomatie in Abwesenheit ihres Chefs feiern.

Der Sieg des Monats

Koller ist seit Moskau genug abgefeiert worden. Trotzdem sei eine Woche nach dem 1:0 kleinlaut erinnert, dass die Mehrheit der Honorarkritiker nie so lang an Tormann Robert Almer (weil in Deutschland stets Reservist), an "Jetlag Marc" (weil in Australien) und an Marko Arnautovic festgehalten hätte.

Doch abgesehen von Kollers belohnter anti-populistischer Linie – warum wurde die Nationalelf unter ihm so stark?

Weil Koller so viele Legionäre aufbieten kann wie keiner seiner Teamchef-Vorgänger.

Und warum drängen sich konträr zur Vergangenheit jetzt so viele Auslandsprofis auf?

Weil die meisten zuvor ausländischen Spähern in der österreichischen Liga auffielen.

Und warum war dies den Jungen nicht schon zur Jahrtausendwende gelungen?

Weil von Frank Stronach bis Hannes Kartnig und von Wien über Graz bis Tirol dem eigenen Nachwuchs ausländische Altstars vorgezogen wurden. Zumal es sich bei deren Importieren von Trittbrettfahrern viel besser mitverdienen ließ.

Ehe aus finanzieller Not endlich eine Jugend gemacht wurde, hatte Willibald Ruttensteiner das Ignorieren der Talente jahrelang angeprangert. Jener auch in dieser Kolumne zum Laptop-Willi abqualifizierte und im ÖFB-Umfeld mäßig beliebte Sportdirektor, der Kollers Kommen eingefädelt hat. Der vermeintlich "falsche Fuffziger" dürfte somit auch einiges richtig gemacht haben.

Die Pleiten des Monats

1995 war der VfB Mödling aus der obersten Bundesliga abgestiegen. 20 Jahre später beendete der SC Mödling mit einer (rekord-) verdächtigen Niederlage die siebenten Spielklasse: 2:42 gegen Unterwaltersdorf.

Stünden statt Verteidigern fünf Lehnstühle im Strafraum, könnte das Resultat allein schon aus Zeitgründen kaum deutlicher ausfallen. Den Siegern fehlten trotzdem neun Bummerln, um in der letzten Runde noch Erster zu werden.

Mit 10:243 hat Mödling die schlechteste Torbilanz im Land. Aber immerhin eine gepflegte ehemalige Bundesliga-Heimstätte. Der schlechteste Sportplatz befindet sich nicht vor den südlichen, sondern vor den westlichen Toren Wiens: im waldreichen Mauerbach. Dort steht der Betrieb für 150 bewegungshungrige Kinder, 30 kickende Damen und 40 Unterhaus-Spieler vor dem Aus. Per Bürgerbefragung wurde nach einer rot-blauen Polit-Initiative sowohl gegen einen (behördlich genehmigten) Sportplatz-Neubau als auch gegen eine Sanierung des alten Ackers gestimmt. Frei nach dem Motto: Es sterbe der Sport.

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