über das Wiener Derby
11/09/2014

Austrias Nummer 20 und Stripfing statt Rapid

von Wolfgang Winheim

Kein anderer Klub hat in diesem Jahrtausend so viele Trainer verbraucht wie die Austria.

Wolfgang Winheim | über das Wiener Derby

Was haben die Hauptdarsteller des Wiener Derbys mit David Alaba gemeinsam? Wie der verletzte Bayern-Legionär dürfen Rapidler und Austrianer beim wichtigsten Match des Jahres nur zuschauen. Niemand von den Wiener Großklubs ist in Marcel Kollers Legionärsteam erste Wahl. Eine Woche vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Russland aber kommen heute 30.000 ins Happel-Stadion, wenn der Rekordmeister Rapid auf eine Austria trifft, die ihrerseits einen inoffiziellen Rekord nicht noch mehr ausbauen will.

Kein anderer Klub hat in diesem Jahrtausend so viele Trainer verbraucht wie die Austria. Gerald Baumgartner, den die Violetten erst im Frühjahr aus seinem St. Pöltner Vertrag um zigtausend Euro herausgekauft hatten, ist bereits der 20. Austria-Trainer seit dem Jahr 2000. Während die Austria-Führung bemüht ist, der Öffentlichkeit glaubhaft zu versichern, dass Baumgartner das auch bleiben wird, ist die Betreuerfrage bei Rapid kein Thema. Vielmehr schickt die fleißige grün-weiße PR-Abteilung fast täglich Meldungen über neue Kooperationen, neue Ideen (Rapid gründete u. a. eine Mannschaft für behinderte Kicker), neue Aktionen (Rapid-Handy) und das alte Hanappi-Stadion aus.

Nie zuvor wurde der Abschied von einer Sportstätte so intensiv zelebriert. Inventarverkauf plus Abrissparty brachten mehr als 200.000 Euro. Ein Viertel davon wird in den Nachwuchs investiert, was dieser auch bitter nötig hat: Einem Vergleich mit den Akademien von Austria, Red Bull und Mattersburg hält Rapid nicht stand – zweifellos ein Mitgrund, weshalb keine Rapidler in den U-20- und U-19-Österreich-Auswahlen aufscheinen. Die etwas älteren Talente hatZoran Barisicohnehin schon zur "Ersten" hochgezogen, was ihm zumindest von Insidern Anerkennung einbringt, zumal es dem Trainer immer wieder gelingt, Spielerverkäufe und denAusfall Verletzter zu kompensieren.

Quer durch Fußball-Europa fällt auf, dass Spieler nicht wie früher im fortgeschrittenen Profi-Alter, sondern schon als 20-, 21-, 22-Jährige (wie David Alaba) Knieverletzungen oder Ermüdungsbrüche erleiden. Sportwissenschaftler führen dies auf die viel intensiver gewordene Spielweise zurück. So ergaben Studien, dass ein Ballführender nicht mehr wie vor 30 Jahren nach zwei Sekunden, sondern bereits nach einer halben attackiert wird.

Hans Krankl war ungeachtet aller Statistiken laut seines Leibarztes Robert Lugscheider ein sportmedizinisches Wunder –nämlich vor seinem 30. Lebensjahr überhaupt nie ärger angeschlagen.

Verletzt fühlte sich Krankl, 61, durch die Art, wie sein Favorit Erich Kirisits als Rapid-Präsident verhindert wurde. Ein Jahr danach geht die Rapid-Ikone zu Rapid und dessen Präsident Michael Krammer noch immer auf Distanz.

Kirisits bleibt dem Fußball andernorts erhalten: Der Rank-Xerox-Europa-General unterstützt statt Rapid den SV Stripfing. Auf dessen Sportplatz im Weinviertel findet am Tag des Russland-Spiels ein Hendl-Schnapsen statt.

wolfgang.winheim@kurier.at

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