WM-Sog: Staatschefin Rousseff hofft am Sonntag auf ihre Wiederwahl.

© APA/EPA/Ballesteros

über Brasiliens Präsenz in westlichen Medien
10/05/2014

Nach der WM zurück in die Zukunft

Brasilien zwischen Damenwahl, Comebacks , grotesken Torschützen und windigen Chefs.

von Wolfgang Winheim

Vielmehr sind die Reporter-Karawanen abgezogen. Sie werden erst vor Sommer-Olympia 2016 wieder in Rio einfallen

Wolfgang Winheim | über Brasiliens Präsenz in westlichen Medien

Fred! Vor 100 Tagen war der brasilianische Stürmer die internationale Lachnummer und für seine brasilianischen Landsleute der große Sündenbock gewesen. Inzwischen erzielte der WM-Versager neun Tore für Fluminense. Allerdings hat es Tormann Rogerio Ceni vom FC Sao Paulo auch schon auf sechs Saisontreffer gebracht.

Mit insgesamt 121 Toren hält der mittlerweile 41-jährige den Tormann-Schützen-Weltrekord. Selbst Cenis berühmter Klubkollege Kaká (ehemals Milan und Real) lässt dem Tormann-Veteran bei Elfmetern und Freistößen in aussichtsreichster Position den Vortritt.

Am Freitag wurde Kaká, der vor der WM aussortiert worden war und der 2015 für 6,22 Millionen Dollar Jahresgage zum US-Klub Orlando wechseln wird, von neuem (und ehemaligen) Teamchef Carlos Dunga zurück in den Nationalkader geholt.

Diese Meldungen interessieren Fußball-Puritaner vermutlich mehr als der Ausgang eines weiblichen Polit-Duells im Fußball-Macho-Land. Heute, Sonntag, ist Wahltag für 143 Millionen stimmberechtigte Brasilianer.

Die zierliche ehemalige Umweltministerin Marina Silva aus dem Amazonasgebiet, die als Jugendliche fünf Mal die Malaria überlebt und wie ihre nunmehrige Rivalin im Untergrund gegen das Militärregime gekämpft hatte, will die 12-jährige Regentschaft von Staatspräsidentin Dilma Rousseff beenden. Jüngste Umfrageergebnisse deuten darauf hin, dass Silva dies heute nicht gelingt. Auch wird der 53-jährige (mitte-rechts angesiedelten) Ex-Gouverneur Aecio Neves, obwohl im Wahlkampf vehement unterstützt vom WM-Schützenkönig 2002 Ronaldo, nicht der lachende Dritte sein.

Die Präsidentenwahl rückt Brasilien nur kurz in den internationalen medialen Fokus. Vor ein paar Monaten noch war alles anders. Da nahm die ganz Welt Anteil am Schicksal protestierender Menschen, die vor und während der WM gegen teure Fußballtempel, soziale Ungerechtigkeit und Korruption auf die Straße gingen.

Ist plötzlich alles gut?

Mitnichten. Vielmehr sind die Reporter-Karawanen abgezogen. Sie werden erst vor Sommer-Olympia 2016 wieder in Rio einfallen; werden prominente Systemkritiker wie den ehemaligen Barcelona-Star Romario zitieren. Und berichten, dass Favelas gesäubert wurden; dass im Amazonas-Stadion von Manaus seit der WM kein Match mehr stattfand; dass Topklubs aus Rio und Sao Paulo Spiele auf höhere Weisung zwecks Stadion-Auslastung in der (erstligaklublosen) Hauptstadt Brasilia austragen mussten; und dass Trainer die Aufstellungen nach wie vor weniger vom Können der Kicker, sondern mehr von deren Managern und der Höhe des Schmiergeldes abhängig machen.

Brasiliens Verband hat zwar als Reaktion auf das 1:7 gegen Deutschland keinen Stein auf dem anderen belassen, aber mit der Bestellung des berüchtigten Spielervermittlers Gilmar Rinaldi zum neuen Sportdirektor für eine schiefe Optik gesorgt. Auf Österreich umgelegt und ein bissel übertrieben formuliert ist das so, als würde der ÖFB Wettbetrüger Sanel Kuljic (fünf Jahre – noch nicht rechtskräftige – Haft) zum Vorsitzenden der Ethikkommission bestimmen.

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