über die Ski-WM und Hans Krankl
02/13/2013

Jubiläum für den goldenen Jahrgang

Hans Krankl feiert am Donerstag. Auch Annemarie Moser und Franz Klammer wurden 1953 geboren.

von Wolfgang Winheim

Und somit kann der Evergrey heute im kleinen Kreis g’sund und rund feiern.

Wolfgang Winheim | über die Ski-WM und Hans Krankl

Fast alle hatten sich abfällig über die „Blinddarmbewerbe“ geäußert. Fast alle Reporter haben das brav nachgeplappert und geschrieben. Doch der Ski-Fan scherte sich nicht um die Expertenmeinung. Kombination plus Parallelrennen wurden zum Publikumshit, auch wenn Ski-Puritaner den sportlichen Wert des Mannschaftsbewerbs nach wie vor anzweifeln und man den Jublern unterstellen könnte, dass sie erst die österreichischen Medaillen zum Meinungsschwenk bewogen haben.

967.000 waren ORF-Augenzeugen bei den zwei 4:0-Siegen gegen Deutschland und Schweden im Teambewerb, nachdem am Vortag gar mehr als eine Million den abendlichen Kombi-Slalom mit Romed Baumanns Bronze erlebt hatte.

Marcel Hirscher verglich nach seinem glänzenden WM-Debüt die Stimmung mit jener in einem Fußball-Stadion. Und mit den Kickern werden sich die Alpinen die Aufmerksamkeit der Sportöffentlichkeit ab sofort ein bissel teilen.

Heute bittet die Bundesliga in Schladming während der Halbzeitpause des Damen-Riesenslaloms zur Pressekonferenz, bei der Präsident Hans Rinner und Vorstand Georg Pangl versichern werden, dass die tipp3-Meisterschaft viel besser sei als ihr Ruf.

Und am Donnerstag widmet der ORF Hans Krankl anlässlich dessen 60.Geburtstages eine Sondersendung, auch wenn der – wie Marketinganalysen ergaben – ein optimaler Werbeträger vom Abo-TV-Sender Sky geworden ist.

Am Sonntag wird Krankl vor dem Sky-Mikrofon im Hanappi-Stadion das Wiener Derby kommentieren.

Auf der Trainerbank werden ihn Fußball-Freunde kaum noch erleben, obwohl Krankls Freund und Anwalt Skender Fani der Klagenfurter Austria zu Spendern à la Frank Stronach verhalf und das Wörthersee-Stadion nur zwei Autostunden von Krankls Zweitheimat Jesolo entfernt ist. Stop! Auf solche Anspielungen kann Krankl grantig reagieren. Also sei lieber gewürdigt, dass es sein 53er-Jahrgang war, der Österreichs Sport Glorreiches beschert hat wie kein anderer.

Acht Wochen nach Krankl feiert Annemarie Moser ihren Sechziger. Ebenfalls heuer wird Franz Klammer 60 Jahre alt. Alle drei hatten eine Kindheit erlebt, die mit jener aktueller Stars nicht mehr vergleichbar ist.

Die Annemarie fuhr noch mit den Skiern zur Schule hinunter nach Kleinarl und ging in Ermangelung eines Lifts den Berg wieder hinauf. Auch der Mooswalder Franz Klammer wuchs zu Zeiten, als Tiroler einen Kärntner nur naserümpfend in einem Rennkader akzeptierten, in keinem Skiort auf. Und der Wiener Straßenbahner-Bua Krankl zerschoss im Loquai-Park die Gitter eines jener Ball-Käfige, in denen heute kaum noch Kinder herumtollen.

Schon als Jugendlicher zeichnete Krankl ein außergewöhnliches Selbstvertrauen aus, das er sich bis ins Alter auch abseits des Fußballplatzes bewahrt hat.

Er redete als Barcelona-Goleador schon wenige Monaten nach seinem Einstand in der Landessprache in Mikrofone, während deutsche Real-Legionäre viel länger einen Dolmetsch brauchten.

Er hält sich für den besten Sportjournalisten. Für einen großen Musik-Experten (der er als Bob-Dylan-Fan auch ist). Und er war der bis heute wohl einzige Nicht-Rennläufer, der, nachdem er die Kitzbüheler Streif unfallfrei abgerutscht war, nicht in Ehrfurcht erstarrte, sondern emotionslos sagte:

„Wenn ich das ein paar Wochen trainier’, fahr’ ich auch Schuss runter.“

Zum Glück trat er nie den Wahrheitsbeweis an. Und somit kann der Evergrey heute im kleinen Kreis g’sund und rund feiern.