über die Leistbarkeit von Wohnungen
07/11/2015

Leistbarkeit

Die wöchentliche Kolumne von Ulla Grünbacher.

von Ulla Grünbacher

Sechs Bruttojahresgehälter für den Kauf einer 70 Quadratmeter große Standardwohnung.

Mag. Ulla Grünbacher | über die Leistbarkeit von Wohnungen

Autos, Rasenmäher, Bohrmaschinen – laute Geräusche umgeben uns jeden Tag. Lärm wird als Störfaktor empfunden und der Stress, der dabei entsteht, kann krankmachen. Der Blutdruck steigt, es kommt zu Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. So viel ist bekannt. Neu ist, dass Lärm auch dick machen kann. Wer in der Nähe eines Flughafens wohnt und ständig dem Fluglärm ausgesetzt ist, läuft einer neuen Studie zufolge Gefahr, Gewicht zuzulegen. Mit dem Anstieg des Lärmpegels um fünf Dezibel steigt der Taillenumfang um rund 1,5 Zentimeter, das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Wissenschaftlern des schwedischen Karolinska-Instituts. Die Wissenschaftler führen das Ergebnis auf die verstärkte Ausschüttung von Stresshormonen zurück. Aber nicht nur Lärm von lauten Maschinen verursacht Stress. Auch die ständige Geräuschkulisse, das Klappern von Tasten, das Gespräch und die Telefonate der Kollegen im Großraumbüro wirken sich auf Dauer auf das vegetative Nervensystem aus. Je mehr Platz den Mitarbeitern im Büro eingeräumt wird, desto weniger Auswirkungen hat der Lärm. Eine Änderung des Wohnungseigentumsobjekt kann durch das wichtige Interesse eines Eigentümers legitimiert sein. Der Fall: Ein Ehepaar mit minderjährigen Kindern hat aus Platzgründen die Nachbarwohnung gekauft, damit jedes Kind ein eigenes Zimmer hat. Das Problem: Bei der einzig sinnvollen Raumaufteilung müssten die Eltern in der einen, die Kinder in der anderen Wohnung wohnen. Doch das war aufgrund der elterlichen Aufsichtspflicht nicht möglich. Die Lösung: Eine in den Gang versetzte Eingangstür für beide Wohnungen. Dafür hätte die Familie auf die Dauer von zwei Jahren, etwa bis die Kinder volljährig sind, ein exklusives Nutzungsrecht für den 1,5 großen Gangabschnitt benötigt. Über den Antrags zur Änderung der Benützungsregelung sollte das erreicht werden, die Familie hätte auch ein monatliches Entgelt bezahlt. Voraussetzung war ein einstimmiger Beschluss der Eigentümergemeinschaft, doch dieser kam nicht zustande. Der OGH gab der Familie recht. Ihr Interesse wiege schwerer als das der anderen Eigentümer. Hinzu kommt, dass sich die Eigentumsverhältnisse nicht ändern und die Regelung befristet ist.

Wie viele Jahresgehälter muss man zur Gänze ansparen, damit man sich eine Eigentumswohnung kaufen kann? Deloitte hat Durchschnittswerte in verschiedenen Ländern erhoben, das Ergebnis ist eine Einschätzung, wie leistbar Wohnraum ist.

Knapp sechs Bruttojahresgehälter sind erforderlich, damit man in Österreich eine 70 Quadratmeter große Standardwohnung zu einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2500 Euro erwerben kann. Damit liegt Österreich im Mittelfeld.

Wesentlich schneller zu Eigentum kommt man in Belgien. Nach 3,2 zur Gänze angesparten Brutto-Jahresgehälter kann man Immobilienbesitzer werden, in Deutschland sind es 3,3 Jahresgehälter. Wesentlich mehr Geduld muss man in Israel aufbringen. Üppige 12,7 Jahresgehälter sind es hier, gefolgt von Großbritannien mit zehn Jahresgagen.

Da die Gehälter mit dem weiterhin starken Anstieg der Immobilienpreise nicht mithalten können, wird die auf Jahresgagen umgelegte Anspardauer weiter zulegen.

ulla.gruenbacher@kurier.at

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