Zwei, hart an der Baumgrenze

Romantisch. Oder? © Bild: Boroviczeny

Lorbeer, Spitzahorn oder Feige – welcher Baum bist du denn?

Die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel.

Gabriele Kuhn | über Bäume als Hochzeitsgeschenk.

Sie

Nach wie vor heiraten Menschen gerne – unter anderem, weil es Geschenke gibt. Hochzeitslisten erübrigen sich oft – man hat bereits alles. Der Mann nebenan hatte das Glück, nicht nur mich, sondern einen gut bestückten Haushalt zu heiraten, inklusive Porzellan aus erster Ehe. Was er einbrachte? Sich. Und Unbrauchbares. Etwa Post von – wie er sagt – „weiblichen Fans“. Oder Pokale. Die Häferln, die er stolz sein eigen nennt, sind eher provinzieller Natur, etwa: 3. Platz beim Unter-14-Kegel-Turnier Böheimkirchen. Pfuh. Gut, dass die schönen Stücke schon seit langem eine neue Bleibe gefunden haben – auf einem romantischen Mistplatz der MA 48.

Spitzahorn und Lorbeer Zurück zu den Geschenken. Neuerdings verschenkt man an Hochzeitspaare Bäume – als Symbol für Zukunft und Wachstum. Diese werden dann in eigenen Hochzeitswäldern gepflanzt. In einer stillen Stunde – nach einem heftigen Disput – fragte ich mich: Welcher Baum würde zu uns passen, welcher Baum wären wir? Ginge der Baum an meinen Mann, würde ich für den Spitzahorn plädieren (ich brauche hoffentlich nicht näher zu erläutern, warum). Am besten in Form einer Kübelpflanze. Mir hingegen stünde ein imposanter Lorbeer-Baum zu – nicht nur, weil er seit jeher als Baumsymbol für Sieg, Triumph und Unsterblichkeit steht. Aber auch. Er wiederum dichtet mir eher einen Kaktus an – stimmt, kein Baum, aber ihm wurscht. Sumpfzypresse wäre auch treffend, sagt er. Er hingegen sähe sich als Königseukalyptus. Oder als Riesenmammutbaum, „Vater des Waldes“ genannt. Mit dickem Stammdurchmesser und hartem Holz. Tja, so schlicht ist der Intellektuelle nebenan mitunter. Allen Spekulationen zum Trotz – wir konnten uns dennoch einigen: auf die schöne Trauerweide. Unter so einer haben wir nämlich geheiratet.

Und ja, danke: Es geht eh so.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Auffallend ist schon, wie oft die Frau da drüben meine Trophäen ins Spiel bringt. Ich gebe gerne zu, dass Pokale es grundsätzlich an Eleganz vermissen lassen und sich nicht unbedingt als Einrichtungs-Musts darstellen, aber es geht doch um den ideellen Wert. Den habe ich zwar schon vor längerer Zeit als Sondermüll entsorgt („Hauen S’ des Klumpert da vurn links eini“), die Erinnerungen an die sportlichen Großtaten bleiben jedoch.

Ob Tennis, Skifahren oder Fußball – ich war ein Leben lang um Wettbewerb und Erfolge bemüht. Und was tut meine Frau, und zwar immer? Sie erklärt mich in Nebensätzen zum putzigen Wirtshaus-Athleten. Und warum? Weil sie neidig ist. Tja, für das beinahe unfallfreie Bezwingen der Schulsprossenwand, den abgebrochenen Tanzkurs „Swing für Karrierefrauen“ und den alljährlichen Semesterferien-Titel „Miss Einkehrschwung“ gibt es eben keine Pokale.

Feige und Feige Spannend, dass ausgerechnet sie in ihrem Selbstverständnis den Lorbeerbaum für sich in Anspruch nehmen würde. Mehr noch, da wir in Wahrheit beide aus dem gleichen Baumholz geschnitzt sind. Aus Feigen nämlich.

Das weiß ich, weil sie mich, ausgerechnet mich (!), vor vielen Jahren einmal an der Hand nahm, um mich in Wien zu einem keltischen Baumkreis zu führen. Der war damals so frisch gepflanzt wie ich mich fühlte. Da stand: „Die Feige – Baum des Einklangs“. Und weiter: „Menschen, die im Zeichen des Feigenbaums geboren wurden, verbreiten eine Atmosphäre der Harmonie, Eintracht und beruhigenden Gelassenheit.“ Sieht das hier so aus?

Nein. Aber wir werden uns trotzdem um einen Ehe-Pokal für unser Wohnzimmer bemühen. Auch, wenn dessen Eroberung noch dauern könnte. Die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel.

Twitter: @MHufnagl

Erstellt am 10.03.2013