© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
03/16/2014

Vorsätze, ja eh!

Vor kurzem noch wollten wir mehr Spaziergänge und weniger Alkohol.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Aber egal: Cheers an den Mann nebenan.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Spannend wird’s, wenn ein Paar gemeinsam gute Vorsätze fasst. Noch spannender, wenn das zwei Menschen wie wir tun. Weil wir – und das formt einen gemeinsamen Beziehungsnenner – recht lebenslustig sind. Gute Vorsätze und Lebenslust verhalten sich allerdings so wie Pommes frites zu Tofugeschnetzeltem. Nicht kompatibel.

"Moch’s!" Vorsatz Nummer 1 wurde im Spätwinter gefasst: Schatz, wir sollten vielleicht doch wieder öfter gemeinsam spazieren gehen. Ein Schelm, wer denkt, das hätte ich gesagt. Nein. Es war seine Idee. Ich war entzückt. Seither sind wir noch weniger gemeinsam spazieren gegangen als die vergangenen fünf Jahre davor. Das ist vor allem meine Schuld, weil ich seit Neuestem "Ruhe" brauche und keinen, der mit mir bergauf gehend über den Hyposkandal quargelt, bis ich das Gefühl habe, Teil eines Untersuchungsausschusses zu sein. Wenn ich spaziere, will ich philosophieren – über die wichtigen Dinge des Lebens. Etwa, dass ich überlege, mit dem Meditieren zu beginnen. Und warum. Und wann, nämlich um 6 Uhr morgens. Ich erwarte mir vom Mann nebenan, dass er meinen Elan teilt oder besser: Dass er sagt, Tolle Idee, ich mach’ mit. Stattdessen sagt er nur: Moch’s! Um eine Sekunde später einen wohltemperierten Zweifel in die Stille zu streuen: Das schau’ ich mir an, ob dir täglich um diese Zeit ein Mantra über die Lippen perlt.

Nun zu Vorsatz Nr. 2, der Wein-Abstinenz. Zwei Achterln zum Abendessen – das ist, was wir täglich trinken. Mit Genuss. Dennoch hätten wir gemeint, dass es reinigend für uns sei, davon eine vierwöchige Pause zu machen. Seitdem passiert, was ich Rarität nenne: Wir sind uns einig – unausgesprochen. Indem wir uns täglich einen guten Grund zurechtbasteln, warum es jetzt doch nicht schlecht wäre, nur! ein! Achterl zu trinken. Aber egal: Cheers an den Mann nebenan.

Twitter: @GabrieleKuhn

Er

Ehrlich: Das mit dem Spazierengehen war ernst gemeint. So sehr mich normalerweise jede Art von Bewegung, die ohne Ball stattfindet, anödet – in diesem Fall dachte ich mir: Gedankenaustausch an der frischen Luft hat vor allem für sie eine ganz besondere Qualität, also schenke ich ihr Zeit und mein grünes Ohr. Was ich jedoch überraschenderweise auch nach so vielen Ehejahren unterschätzt habe, ist die Wucht, mit der die simple Anwesenheit von Natur die spirituelle und emotionelle Seite meiner Frau zum Erblühen bringt. Während ich von völliger Umgebungsresistenz beseelt den Pragmatismus vorziehe.

Und natürlich ist es auch wichtig, Fragen wie Wenn du jetzt ganz tief in dich hineinfühlst, was macht das mit dir? zu erläutern. Oder Verständnis zu entwickeln, wenn sie meint, dass die Energie von Wienerwald-Bäumen das Potenzial besitzt, den Weltfrieden herzustellen. Oder auch einfach nur zu nicken, sobald sie ohne Punkt und Beistrich über die einzigartige Kraft der Stille philosophiert (so, dass ich am Ende den Wald vor lauter Träumen nicht mehr seh’.)

Miteinander Aber irgendwann habe ich doch wieder den Hang zum Widerstand entwickelt. Erkennend: Der Naturbursch’, den sie so gerne hätte, wird in diesem Leben kaum mehr wachgeküsst werden. Im Gegensatz zum Realisten, der weiß, wann ein Experiment in die Kategorie "Schatz, lass’ uns umdenken" fällt. Andererseits bin ich froh, dass wir immer noch Lust auf Ideen und Vorsätze haben. Auf ein leidenschaftliches Miteinander im Kampf gegen das gefährliche Nebeneinander. Und sei es nur, um der Fastenzeit gemeinsam mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Denn wenn ich jetzt ganz tief in mich hineinfühle, dann macht das mit mir ...

... ein Glücksgefühl. Prost!

Twitter: @MHufnagl

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