© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
12/07/2014

Zweierlei Licht-Blicke

Hellsichtig.So eine neue Straßenlaterne kann dunkle Seiten sichtbar machen

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

Außerdem mag er es bequem. Und das bin ich nur manchmal.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

Die Magistratsabteilung 33 ist an unserem Disput der Woche schuld. Genauer gesagt, die Straßenlaterne, die vor unserem Haus steht und deren Lampe vor Kurzem erneuert wurde. Sie warf bei mir den (zugegeben) leicht hysterischen „So eine Schweinerei“-Modus an und bei ihm damit das exakte Gegenteil. Also den Bitte-reg-di-net-schon-wieder-so-auf-Status. Aber der Reihe nach: Das alles geschah, als ich dieser Tage abends nach Hause kam. Niemand war daheim – und trotzdem brannte: Licht. Also nicht wirklich. Der Mann nebenan hatte brav alle Beleuchtungskörper abgedreht, aber der oben erwähnte Straßenstrahler verwandelte unser Wohnzimmer plötzlich in eine Art Happel-Stadion. Ich erstarrte in der Sekunde und sprach zu mir selbst: „Das darf jetzt bitte nicht wahr sein!“ Hitzig zückte ich das Handy, um dem Mann nebenan alles zu erzählen. Was folgte? Ein lässiges Kriegst dich bitte wieder ein?! Dein Hang zur Übertreibung ist ja stadtbekannt. Hm, anscheinend hatte ich wieder einmal sein Mah,-ist-die-wieder-mühsam-Knopferl gedrückt. Die Beziehungstradition will es nämlich, dass all das, was mich stört, ihn justament kalt lässt. Außerdem mag er es bequem. Und das bin ich nur manchmal.

Alles Last auf seinen Schultern

Doch wehe, es ist umgekehrt. Umgekehrt muss bei jeder kleinsten Indisposition vom Burli in der Sekunde die Welt still stehen – die Mutter, die Ehefrau, das Kind und die Tanten per Depesche über seine Befindlichkeit informiert werden. Alle müssen im Chor rufen: Armer Michi! Ihm das Kopferl streicheln. Ihn mit Schoko füttern. – Doch zurück zur Causa Licht: Dass der Mann vom Magistrat – immerhin Beamter – mich viel ernster nahm als der Mann nebenan, ließ mich nachdenklich zurück. Da muss noch Licht in sein Dunkel.

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Er

"Du! Du! Du! Hör mir zu! Hör mir zu! Hör mir zu! Es ist etwas Unglaubliches passiert!“ Etwa so (es könnten auch vier Du! gewesen sein) hörte es sich an, als mich meine Frau spätabends anrief und um meine Aufmerksamkeit flehte. Ich dachte natürlich in der Sekunde daran, dass unsere Wohnung von Außerirdischen umstellt sein muss, oder dass wir womöglich einen Lotto-Sechser gemacht haben, obwohl wir niemals Lotto spielen. Stattdessen teilte mir die schnappatmende Liebste mit, dass es in unserem Wohnzimmer plötzlich so extrem hell sei. Also doch Außerirdische, die mit gigantischen Leuchtwaffen die Übernahme unseres Sofas in Angriff nehmen wollten. Wir waren, so glaubte ich zu vernehmen, verloren.

In Wahrheit war lediglich die Straßenlampe getauscht worden, und das neue Modell hat – zugegeben – deutlich mehr Strahlkraft. Aber da wir ohnedies sehr selten in der Nacht hobbymäßig im stockdunklen Wohnzimmer herumsitzen, was uns diese Lichtinvasion ohne Zweifel verleiden würde, sah ich mich zur Verharmlosung gezwungen. Nicht ohne Hintergedanken, denn ich kenne Frau Kuhn zu gut.

Das Lichttelefon

Nicht auszudenken, ich hätte in den Der-helle-Wahnsinn-Chor eingestimmt. Sie wäre sofort in den Da-müssen-wir- etwas-unternehmen-Modus verfallen. Der gleichbedeutend mit der Da-musst-Du-etwas-unternehmen-Realität ist. Und schon läuft im Geist der Film: „MA Straßenlaterne“ googeln. Beim Lichttelefon (ja, das gibt’s) anrufen. Warten. Erklären. Verbunden werden. Warten. Erklären. Ansuchen schreiben. Warten. Geburtsurkunde der Großmutter faxen. Warten. Wieder anrufen. Warten. Bitten. Drohen. Warten. Flehen. Hoffen. Undsoweiter. Lieber sagte ich: „Ach, mir gefällt’s so.“ Und prompt wurde sie selbst aktiv. In Lichtgeschwindigkeit.

Twitter:@MHufnagl

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