© Jeff Mangione

über die Szenen einer Redaktionsehe.
06/14/2015

Weltbester Papa

Zum Vatertag: Sie schreit "Weichspüler-Alarm", und er will als ewiger Darling nix riskieren.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

So weich, dass man ihn blind erkennt, ist der Mann nebenan, wenn es um Kinder geht.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

So weich, dass man ihn blind erkennt, ist der Mann nebenan, wenn es um Kinder geht. Im Speziellen um Madame Tochter – die bereits sehr früh die Flana-Mentalität ihres Papsch durchschaut hat und genau weiß, was sie tun muss, um den Silan-Effekt bei ihrem Erzeuger auszulösen. Mit den Wimpern klimpern und sagen, wie lieb der Papi denn nicht sei. Und wie toll. Und wie fesch. Und wie stark. Und wie großartig. Das hilft immer. Denn schon ertönt es wie Schalmeien-Klänge durch unsere Wohnung: Na gut, Prinzessin. Mach ich, Herzi. Stets zu Diensten, Süße. Freilich darfst du ...

Papa-Schleimen

Das ist noch nicht alles, da geht noch mehr. Und das weiß la Tochter genau. Soll nämlich das Unmögliche erreicht werden – etwa Weggehen bis spät in die Nacht, an irgendeinen Ort, den Eltern als 3.0-Version von Dantes Hölle empfinden – packt unser Spross die Fünfstern-Variante des angewandten Papi-Schleimens aus. Da wird der an sich schlichte Mann nebenan auf wundersame Weise zum allerallerbesten Papi des gesamten Universums. Zum König aller Mädchenherzen. Zum Besten, was dieser Erde je passiert ist. Ich bin jedes Mal fassungslos, dass diese Masche immer noch funktioniert und er drauf reinfällt. Ich sage nur: sein Blick! Blauäugig. Als hätte er vier Viertel Weichspüler gesoffen und dazu fünf Glückspillen geworfen. Als wäre er in eine Maschine gesteckt worden, wo oben Väter reingeschoben werden und unten Plastilinwürstchen rauskommen. Ein Wackeldackel im Fonds eines Autos ist eine Kampfmaschine gegen ihn. Und trotzdem. Trotzdem liebe ich ihn genau dafür so sehr. Daher bekommt er zum heutigen Vatertag von mir das Prädikat "weich, aber herzig" verliehen. Und als Geschenk ein Paar Tigerpatschen für das wilde Tier im zahmen Papsch.

Twitter: @GabrieleKuhn

facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Ohne es zu prüfen: Aber über die vielen Tücken im Verhältnis zwischen Mutter und Tochter wurden ganz sicher schon Millionen Bücher geschrieben. Als Vater habe ich in den existenziellen Fragen des familiären Zusammenlebens im Großen und Ganzen natürlich die gleiche Ausrichtung wie Frau Mama. Es sind also eher die zahllosen Details, deretwegen sich die Liebste als Solistin in den selbst gewählten Reibungszustand mit dem Kind katapultiert. Kleinigkeiten, die mir gar nicht auffallen (wollen). Was heißt, dass wir regelmäßig pädagogischen Kriegsrat darüber halten, ob es sinnvoller ist, das am Boden liegende Handtuch zum 63. Mal ohne Trara aufzuheben und aufzuhängen oder der Prinzessin zum 63. Mal den gleichen sinnlosen Vortrag über Schlampigkeit zu halten.

Trampelpfad

Nun, ich gestehe, dass ich mein Bedürfnis, als bester Papa der Welt dereinst in ihrer Biografie (Kapitel: Das Vatikan’sche Konzil) verewigt zu werden, nicht leichtfertig aufs Spiel setze – nicht wegen jeder Viertelstunde, die sie zu spät kommt, jeder Bitte um eine außerbudgetmäßige Unterstützung oder jedes Schritts auf dem Trampelpfad unbedachter Wortwahl. Das aber macht meine Frau mitunter rasend: "Jetzt sag du einmal etwas, immer muss ich die Böse sein." Stimmt selbstverständlich nicht. Denn wer ist es, bitte, der von den Jungs aus dem Freundeskreis gnadenlos Lebenslauf, Meldezettel und auch sämtliche Daten aus den sozialen Netzwerken einfordert? Eben! Ich kann auch unbequem werden. Und jetzt her mit der Vatertagstorte! Mit ganz viel Zuckerguss bitte.

Buchpräsentation von "Du machst mich wahnsinnig" (Amalthea) am 18. Juni (19 Uhr) bei Thalia in der Mariahilfer Straße 99.

Paaradox in Ybbs am 19. Juni und in Leobersdorf am 5. Juli.

Twitter: @MHufnagl

www.michael-hufnagl.com

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