Unser Skizirkus

© Bild: Jeff Mangione

Pistenzauber. Der Winterurlaub als schmaler Grat zwischen Entspannung und Disziplin.

Der Rest darf dem Leader of the Ski-Gang nachjappeln. Sehr lustig.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

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Man nennt ihn, wie einige wissen, auch gerne „Le Procrastineur“. Lieber noch ein Kaffeetscherl nehmen, lieber noch ein paar Minuten ins Handy schauen, lieber noch einige Löcher in die Luft starren, als zur Tat zu schreiten. Das hat aus Sicht des Mannes nebenan etwas „Großzügiges“, „Lässiges“, „Kosmopolitisches“. Wehe dem, der – wie ich – die hölzerne Idee hat, Dinge rechtzeitig zu erledigen. Oder rechtzeitiger als rechtzeitig. Zwänglerin, ich.

Geht doch, oder?

Das alles ändert sich, wenn der Berg ruft, etwa Huhu, aufwachen, du König aller Skihänge. Es schneit zwar Germknödel vom Himmel, aber wurscht: Ich will dich – und zwar sofort! Des Berges Wunsch, des „Nun-nicht-mehr-Procrastineurs“ Befehl. Sieh an: Auf einmal geht alles superpünktlich. Das Aufstehen, das Frühstück, sein: So, Kinder. Punkt 9.30 im Skikeller! Punkt 9.35 Abfahrt! Wehe denen, die ächzend an ihren Skischuhschnallen herumfummeln und sich vor Abfahrt noch zwei, drei Mal schnäuzen müssen. Schnäuzen, noch schnell Lulu gehen oder gar Durst haben – völlig überbewertet: Kinder, können wir bitte endlich weitertun? Tun „die Kinder“ nicht, wie Schneehase läuft, dann fährt er schon mal vor. Der Rest darf dem Leader of the Ski-Gang nachjappeln. Sehr lustig. Zumal das den ganzen Skitag so geht. Einkehrschwung? Fix nicht. Sonst schaffen wir die ganz große Runde mit den zwei schwarzen Pickeleis-Abfahrten nicht mehr. Sage ich dann sowas wie „Michi, wir sind im Urlaub, nicht im Weltcup“, dann schaut er mich an und wirkt dabei, als hätte er sich morgens zu viel Skirennwachs aufs Brot geschmiert. Wie gut, dass ich vor zwei Jahren beschlossen habe, mit dem Skifahren aufzuhören und Schneewandern zu gehen. Alleine, nur ich und ich. Inklusive Schnäuzen – wann und so oft ich will.

gabriele.kuhn@kurier.at

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Er

Selbstverständlich verlangt der Skisport Disziplin. Und jemanden, der sie einfordert. Vor allem dann, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist und eine feine Tour über die sieben Berge geplant hat. Denn speziell in einer Ski-Schar, die zwar ein gemeinsames Ziel hat, deren Protagonisten jedoch viele verschiedene Relax-Rhythmen pflegen, kommt man mit fröhlicher Demokratie bestenfalls zum Satz „Jetzt stress’ nicht so, ich hab’ noch mein halbes Haferbreimüsli da stehen“. Also nicht sehr weit. Zumal sich auch Teenager unter uns befinden, die gefühlte vierzehn Stunden Schlaf benötigen, das aber nie am Abend vor der Skitour erkennen, sondern immer erst in der Früh durch fade Augen und schlapfende Langsamkeit offenbaren.

Verunglimpfung

Da braucht’s klare Ansagen. Bestehend aus dem Dreizack Ort, Zeit & Drohung. Heißt: Wer nicht da ist, bleibt zurück und baut Schneemann. Das ist wichtig, um die Fraktion „Jössas, jetzt hab’ ich meinen Labello am Zimmer vergessen“, deren Ehrenvorsitzende gnä Kuhn ist, zu bremsen. Wissend, dass Verhandlungen mit dem Tourismuschef, ob er vielleicht für unsere Gruppe die Lifte zwei, drei Stunden länger fahren lassen könnte, eher nicht zum Erfolg führen – aber das sieht die Liebste nicht so. Statt dessen verunglimpft sie mich als Despoten. Nur weil ich pünktlich zur Abfahrtszeit garantiert höre: „Hab’ ich das Handy beim Frühstück liegen gelassen? Hab’ ich genug warme Sachen an? Hab’ ich Taschentücher eingesteckt?“ Und weil ich es nach so vielen gemeinsamen Jahren noch immer nicht schaffe, mich deshalb glucksend vor Glück im Schnee zu wälzen. Aber ich arbeite daran.

Unsere nächsten Paaradox-Auftritte: 24. 2. in Guntramsdorf, 25. 2. und 18. 3. im Rabenhof.

michael.hufnagl@kurier.at

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( kurier.at ) Erstellt am 12.02.2017