Meinung | Kolumnen | Paaradox
11.03.2018

Meister Lampe

Montage. Sie sehnt sich nach Erleuchtung, er geht an die Decke und verletzt sich.

Dankenswerterweise erinnert mich meine Frau täglich an die Kommandosache Erleuchtung.

Gabriele Kuhn | über die Szenen einer Redaktionsehe.

Sie

An Wochentagen, wenn es draußen noch dämmert und für alles irgendwie zu früh ist, gehen wir einander gerne aus dem Weg. Ein knappes Morg’n, gut geschlafen? reicht, um zu signalisieren: Reden? Bitte. Jetzt. Nicht. Dann schlürft der Mann nebenan in der einen Sparring-Ecke am Espresso, während ich schräg gegenüber Dehnungsübungen zu grünem Tee mache.

Der Fingerzeig

Dieser Tage war alles anders. Da kam er auf mich zu und war für diese Uhrzeit seltsam freundlich: Darf ich dir einen Kaffee bringen? Dabei fiel mir auf, dass er jedes Wort mit einer Handbewegung und erhobenem Daumen unterstrich. Also fragte ich: Was ist mit dem Daumen? Erlösung! Endlich konnte er es loswerden: Hab mich verletzt. Beim Montieren DEINER Lampen in DEINEM Büro. Ich schaute – und sah: eine zarte Schürfwunde, für Schwachsichtige wie mich nur mit dem Elektronenmikroskop erkennbar. Offenbar litt der Mann an akutem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, ich hatte ihm für das Ein-Tages-Projekt „Montiere ein paar Deckenlampen in einer kleinen Wohnung“ nicht gebührlich gedankt. Logisch, denn fast hatte ich die Hoffnung aufgegeben, dass dieser Akt überhaupt noch passiert. Die Beleuchtungskörper wurden nämlich vor zwei Monaten angeschafft und mit den Worten „Wird morgen montiert!“ abgestellt. Aus „morgen“ wurde ruckzuck „übermorgen“ und irgendwann ein „Irgendwann“.

Aber klar: So ein Montageabenteuer muss natürlich von langer Hand geplant werden. Man könnte sich womöglich den Daumen verstümmeln. Oder so. (Kurze Frage: Gibt es einen Kurs „Dinge montieren – ohne Fluchen und Verletzungen?“)

Paaradox-Termine: 13. 4. Oberwaltersdorf, 8. 5. Perchtoldsdorf

gabriele.kuhn@kurier.at

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Er

Wenn die Liebste eine kleine Bürowohnung einrichtet, bedeutet das: Ich lenke das Auto durch die Möbelhäuserlandschaft. Ich schleppe sämtliche Errungenschaften, die das Gewicht einer Seifentasse überschreiten. Ich verstaue alles, räume alles aus, verfrachte alles ins Domizil. Ich baue zusammen, baue um, baue ein. Und ich koordiniere – vor allem meine Zeit. Gnä Kuhn ist währenddessen selbstverständlich nicht untätig, Denn sie sucht aus, delegiert und schüttelt tausend gute Tipps aus dem Ärmel. Im Zuge eines solchen Monumentalprojekts mit dem Namen „Schnuckeliges Bürotschi“ kann es dann schon vorkommen, dass ich beispielsweise die Lampenmontage um ein paar Tage, Wochen oder gar Monate verschiebe, wohl wissend: Glühbirnen hängen eh, Licht ist also da.

Auf der Leiter

Dankenswerterweise erinnerte mich meine Frau täglich an die Kommandosache Erleuchtung, weshalb ich den Geheimplan „Irgendwann im Sommer wird’s a no reichen“ leider verwerfen musste. Lustig ist nur, dass sie ihre ritualisierte Überzeugungsarbeit gerne so einleitet: „Es kann doch nicht sein, dass die paar depperten Lamperln ...“ Sehr wohl sein kann jedoch, dass sie die Petitesse stundenlangen, schiefhalsigen Leiterstehens samt zarter Kritik an allerlei Anschlusskonstruktionen („Bitte welcher Volltrottel lässt sich so etwas einfallen?!“) eher niemals selbst „ruckzuck“ erledigt.

Stattdessen streichelt sie mir das Kopferl, weil so eine Schnittwunde am Finger sehr wohl großes Aua-Potenzial besitzen kann, und schenkt mir wegen des langen Wartens ein besonders dankbares Lächeln. Und genau das ist immer wieder schön.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 25. 4. Gmunden, 9. 5. Langenlois, 29. 5. Baden, 8.6. Guntramsdorf

Termine: paaradox.atmichael.hufnagl@kurier.at

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